Workshop 1: Neue Arbeitsteilung und Prozessgestaltung

Moderation: Dr. Matthias Offermanns

Zusammenfassung der Diskussion

Im Nachmittagsgespräch „Neue Arbeitsteilung und Prozessgestaltung“ stellten die Teilnehmer die in ihren Krankenhäusern umgesetzten neuen Arbeitsteilungen vor. Neben den schon bekannten Neuordnungen in den somatischen Krankenhäusern, die den auf der Homepage veröffentlichten Modellen ähneln, wurde schnell deutlich, dass sich in den psychiatrischen Kliniken viel ändert. So wurde neben einem „Einkaufsmodell“, wo Ärzte Leistungen aus dem Pflegebereich anfordern können, auch eine Hausarztpraxis in einer psychiatrischen Einrichtung vorgestellt. Hierbei koordinieren Medizinische Fachangestellte die Anforderungen der Psychiater an somatischen ärztlichen Leistungen.

Einhellig wurde von den Teilnehmern betont, dass es im Pflegebereich der Krankenhäuser zukünftig einen größeren Skill mix geben wird. So werden neben examinierten Krankenpflegepersonen auch geringer qualifizierte Kräfte sowie akademisch gebildetes Personal benötigt. Für die geringer qualifizierten Kräfte müsse man allerdings Aufstiegsoptionen schaffen. Für die Bachelor-/ Master-Studenten sollten bessere Rahmenbedingungen geschaffen werden. Hierzu zähle auch, aber nicht nur, die Vergütung. Sollten sich die Rahmenbedingungen für den Einsatz von akademisch gebildeten Pflegekräften nicht ändern, so bestehe die Befürchtung, dass ein enormes Potential für eine Verbesserung der Patientenversorgung verloren gehen könne.

Ein zentraler Punkt bei der neuen Arbeitsteilung stellt die Veränderung der Sichtweise dar. Die Sichtweise dürfe nicht mehr sein „Wer macht was“, sondern zukunftsfähig sei nur die Blickrichtung auf den Patienten, nämlich die Sichtweise „Was ist wichtig für den Patienten“. Diese Herangehensweise erfordere ein Denken in Prozessen. Ziel der neuen Arbeitsteilungen und der Prozessgestaltung müsse es sein, dass der Patient gesünder aus dem Krankenhaus komme.
Die Veränderung der Sichtweise könne im Einzelfall auch einen Bedarf an rechtlichen Veränderungen auslösen. Hier sei dann der Gesetzgeber gefordert, die entsprechenden Rahmenbedingungen zu schaffen.
Von den Teilnehmern wurde betont, dass die Neuordnung von Tätigkeiten im Krankenhaus eine interdisziplinäre Veranstaltung sei. Weder dürfe sie von den Ärzten, noch von den Pflegekräften allein durchgeführt werden. Nur im Zusammenspiel aller Professionen könne das Ziel einer patientenorientierten Behandlung erreicht werden.
Allerdings wurde auch nicht verkannt, dass es eine Reihe von hinderlichen Faktoren gebe, die eine Neuordnung von Tätigkeiten erschwere. Ein allseits bekannter Probellfall stelle die Frage nach der Veränderung des Stellenplans dar. Zu oft würden Veränderungen nicht nur nicht stellenneutral, sondern sogar mit einer Minderung der Stellen und der verfügbaren Arbeitskraft umgesetzt. Das würde letztlich häufig zu einer verstärkten Belastung der Pflegekräfte und damit auch zu einer Demotivation der Mitarbeiter führen. Zukünftige Änderungsvorschläge würden in solchen Fällen nicht auf ungeteilte Begeisterung stoßen.

Ein weiteres Problemfeld stelle das Vergütungssystem dar. Auf der einen Seite sei es zu starr und werde kaum auf die aktuellen Entwicklungen im Krankenhausbereich angepasst. Auf der anderen Seite nivelliere das Vergütungssystem zu stark. In der derzeitigen Form werde es der Veränderung hinsichtlich eines größeren Skill mix kaum gerecht.

Insgesamt waren die Teilnehmer sehr offen für neue Arbeitsteilungen im Krankenhaus. Im Angesicht eines sich abzeichnenden Pflegenotstandes könne ein „weiter so“ nicht funktionieren.