Familienbewusste Personalpolitik

Das Allgemeine Krankenhaus Celle widmet sich seit einigen Jahren im Rahmen des Projektes „Beruf und Familie“ einer familienbewussten Personalpolitik. Standen zunächst Projekte im Zusammenhang mit MitarbeiterInnen mit Kindern im Vordergrund, so zeigt sich zunehmend ein Bedarf auch im Bereich der Pflege von Angehörigen. Zu den unterstützenden Maßnahmen für pflegende Angehörigen zählen neben der Möglichkeit zur kurz- oder längerfristigen Freistellung Schulungen zur Pflege von Angehörigen sowie die Vermittlung von Unterstützungsangeboten.

   
Datum 21.02.2011
Ort Allgemeines Krankenhaus Celle
Interviewpartner Olaf Schauer, Geschäftsbereichsleiter Personal und Finanzen
olaf.schauer@akh-celle.de
Themenkategorie „Vereinbarkeit von Familie, Freizeit und Beruf“
Maßnahme Unterstützung von MitarbeiterInnen, die Angehörige pflegen
   

Projektanlass

Im Rahmen einer familienorientierte Personalpolitik wurde das Projekt „Beruf und Familie“ in Angriff genommen. Es stellte sich heraus, dass die ursprüngliche Konzentration auf MitarbeiterInnen mit Kindern zu kurz griff. Ein Familienbegriff, der nur Eltern und Kindern einschließt, ist zu eng gefasst. MitarbeiterInnen mit zu pflegenden Angehörigen kämpfen oftmals mit den gleichen Problemen wie MitarbeiterInnen mit Kindern. Allerdings erhält die Pflege von Angehörigen nicht die gleiche Wertschätzung wie die Erziehung von Kindern. Hinzu kommt, dass die Pflegebedürftigkeit der Angehörigen häufig kurzfristig entsteht und so Vorbereitungsmöglichkeiten für die MitarbeiterInnen fehlen.
Aufgrund der demographischen Entwicklung der Bevölkerung und der Alterung auch der KrankenhausmitarbeiterInnen wurde rasch erkannt, dass die Pflege von Angehörigen ein Problemfeld darstellt, welches in Zukunft noch stärker in den Fokus rücken wird.

Projektumsetzung

Das Allgemeine Krankenhaus Celle beschäftigt eine sogenannte Familienbeauftragte. Die Familienbeauftragte vermittelt den MitarbeiterInnen interne und externe Unterstützungsangebote. So wird beispielsweise der Kontakt zum Sozialdienst hergestellt oder der ambulante Pflegedienst des Krankenhausträgers eingeschaltet. Darüberhinaus werden Tagespflegeangebote vermittelt.
Kurzfristige Freistellungen bis zu 14 Tagen für pflegende MitarbeiterInnen sind unproblematisch möglich. Aber auch längerfristige Freistellungen sind selbstverständlich. MitarbeiterInnen, die dies in Anspruch nehmen, werden nach der Freistellung wieder auf ihrem ursprünglichen Arbeitsplatz eingesetzt.
Das Allgemeine Krankenhaus Celle bietet in Kooperation mit der DAK Celle und dem DRK Celle seinen MitarbeiterInnen kostenlose Pflegekurse an. Expertinnen und Experten der DAK Celle, des DRK Celle, des Allgemeinen Krankenhauses Celle und der Gesundheitsakademie informieren über Themen wie „Aus Krankenkassensicht: Alles rund um die Pflege“, „Hilfe bei der Körperpflege“, „Notfälle im häuslichen Umfeld“ oder „Begleitung in Krisen: Schwere Krankheiten, Sterbebegleitung etc.“. Die Kosten für den Kurs übernehmen die Pflegekassen. Zusätzlich zu den grundlegenden Pflegekursen werden ebenfalls kostenfreie themenspezifische Kurse angeboten, z. B. für pflegende Angehörige von Demenzkranken.
Die Führungskräfte wurden hinsichtlich der Problematik von pflegenden Angehörigen sensibilisiert. Neben der Vermittlung der gesetzlichen Grundlagen wurde insbesondere Wert auf den adäquaten Umgang mit MitarbeiterInnen gelegt, die Angehörige pflegen. Die Führungskräfte sollen bei allen MitarbeiterInnen Akzeptanz für die Nöte und Bedürfnisse von pflegenden KollegInnen schaffen.

Projektbeurteilung

Die Akzeptanz der verschiedenen Maßnahmen ist hoch. Die verschiedenen Angebote werden von den MitarbeiterInnen in Anspruch genommen. Das gilt nicht nur für die Freistellungen, sondern auch für die Pflegekurse, die immer ausgebucht sind. Das Interesse der MitarbeiterInnen an dieser Thematik ist groß.