Pflegekräfte in der Pflegesituation

Im Katharinen-Hospital Unna wird die Familie als Ganzes gesehen, sodass sowohl die Familienphasen mit Kindern als auch die Betreuung und Pflege von Angehörigen betrachtet werden. Eine Förderung der pflegenden Angehörigen findet in den beiden Bereichen „Beratung und Hilfen“ sowie „Arbeitszeitregelungen“ statt. Vielfältige Maßnahmen wie Schulungen, Serviceangebote oder Freistellungen werden ergriffen, um die individuellen Bedürfnisse der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit dem betrieblichen Krankenhausalltag in Einklang zu bringen.

   
Datum 21.02.2011, Aktualisierung 31.12.2014
Ort Katharinen-Hospital gGmbH Unna
Interviewpartner Jutta Kappel, Personalleitung
Themenkategorie „Vereinbarkeit von Familie, Freizeit und Beruf“
Maßnahme Pflegekräfte in der Pflegesituation
   

Projektanlass

Das katholische Katharinen-Hospital in Unna hat sich zur Förderung der Familie verpflichtet. Ziel ist es, die individuellen Bedürfnisse der Mitarbeiter mit dem betrieblichen Ablauf und Alltag zu vereinbaren.
Anlass für weitere Maßnahmen waren die Erfahrungen einzelner Mitarbeiter, die Angehörige pflegten und ihre Probleme offen gegenüber der Krankenhausleitung ansprachen. Aufgrund der Altersstruktur und des Frauenanteils im Pflegedienst war davon auszugehen, dass weitere Mitarbeiter in eine ähnliche Problemlage geraten würden. Gerade im Pflegebereich entsteht für die Mitarbeiter aufgrund ihrer professionellen Erfahrung ein Erwartungsdruck, ihre Angehörigen selbst zu pflegen. Allerdings übernahmen auch Mitarbeiter aus anderen Bereichen des Krankenhauses ebenfalls die Pflege von Angehörigen.
Im Jahr 2009 wurde am Projekt „Vereinbarkeit von Beruf und Pflege“ teilgenommen. In einer Mitarbeiterbefragung bei Pflegekräften wurde die Ausgangsituation erfragt und darauf aufbauend ein Maßnahmenkatalog erstellt.

Projektumsetzung

Das Katharinen-Hospital Unna setzte unterschiedliche Instrumente und Maßnahmen ein, um Mitarbeiter mit zu pflegenden Angehörigen zu unterstützen. Diese Maßnahmen können in zwei Gruppen aufgeteilt werden: „Beratung und Hilfen“ sowie „Arbeitszeitregelungen“. Grundsätzlich sind die Hilfestellungen und Maßnahmen vergleichbar mit denen für die Mitarbeiter in der Familienphase mit Kindern. Allerdings zeigen sich auch einige Abweichungen. 

Als niederschwelliges Beratungsinstrument wurde ein „Ratgeber für pflegende Angehörige, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Katharinen-Hospital Unna“ entwickelt, der u. a. interne Ansprechpartner, Hinweise auf Unterstützungsangebote und eine Checkliste für pflegende Angehörige enthält. Pflegende Angehörige erhalten einen pflegerischen Basiskurs im Rahmen von eigens dafür konzipierten Seminaren. Darüber hinaus werden Kurse für Kinästhesie, Familiale Pflege, Stressmanagement und „Selbstpflege“ angeboten. Der krankenhauseigene Sozialdienst unterstützt die Mitarbeiter bei den relevanten (pflege)rechtlichen Fragestellungen sowie bei der Vermittlung von Kontakten.
Das Katharinen Hospital Unna gehört zum Katholischen Hospitalverbund Hellweg, zu dem auch Wohn-, Alten- und Pflegeheime zählen. Die Mitarbeiter werden bei der Vergabe von Altenheim- und Kurzzeitpflegeplätzen bevorzugt behandelt. Vielfältige Serviceangebote wie u.a. die Ausleihe von pflegerischen Hilfsmitteln oder ein Pflegemittelpersonalverkauf werden angeboten.
Ein weiterer Aspekt betrifft die psychologische Unterstützung der Mitarbeiter. Diesbezüglich bietet das Katharinen-Hospital Unna eine psychologische Hotline und eine Beratung durch den hauseigenen Psychologen an.

Im großen Bereich der Arbeitszeitregelungen wird eine verlässliche und langfristige Dienstplangestaltung angestrebt, die die Belange des Krankenhausbetriebs und die Interessen der Mitarbeiter austariert. In Notfallsituationen ist eine spontane Arbeitsbefreiung jederzeit möglich. Eine auch befristete Reduzierung der Arbeitszeit wird den Mitarbeitern ermöglicht. Im Rahmen des Pflegezeitgesetzes erfolgt nach individueller Absprache eine Freistellung. Darüber hinausgehende Freistellungen und unbezahlter Sonderurlaub mit einer Arbeitsplatzgarantie sind ebenfalls möglich.
Unterstützend ist die Sensibilisierung der Führungskräfte und Kollegen für die Sorgen und Nöte der Mitarbeiter, die Angehörige pflegen. Schließlich erfolgt auch eine praktische Hilfestellung durch Kollegen.

Als neuste Entwicklung im Modell wurde ein Angehörigencafe zum Austausch von Mitarbeitern mit zu pflegenden Angehörigen eingerichtet. Ebenso wurden eine Ganztagespflegestelle und eine Kinderbetreuung für Kinder unter drei Jahren geschaffen, um die Mitarbeiter nach der Elternzeit zu entlasten.

Projektbeurteilung

Die vielfältigen Maßnahmen finden eine sehr hohe Akzeptanz bei den Mitarbeitern. Das Thema „Pflege von Angehörigen“ ist heute nicht mehr so tabuisiert wie noch vor einigen Jahren. Das Vertrauensverhältnis der Kollegen untereinander und zu den Führungskräften ist gewachsen.