Daten zum Modell

   
Datum 05.08.2014
Ort Kliniken der Sozialstiftung Bamberg
Interviewpartner Lissy Nagengast, stellvertretende Personalratsvorsitzende
  (Projektkoordination WiK-Projekt)
  Nadja Faust, Stabstelle Coaching für den Pflegedienst
  (WiK-Projektteam)
  Cäcilie Nawratil, Mitglied Personalrat
  (WiK-Projektteam)
Themenkategorie „Vereinbarkeit von Familie, Freizeit und Beruf“
Maßnahme Coaching für Wiedereinsteiger und Mitarbeiter
   

Name des Krankenhauses

Anschrift Sozialstiftung Bamberg
Buger Sr. 80
96049 Bamberg
Leitung Vorsitzender des Vorstandes:
Xaver Frauenknecht, MBA

Vorstand Finanzen:
Johannes Goth
Webseite http://www.sozialstiftung-bamberg.de
Ansprechpartner der Maßnahme Lissy Nagengast, stellvertretende Personalratsvorsitzende
Tel.: 0951-50311075
elisabeth.nagengast@sozialstiftung-bamberg.de

Nadja Faust, Stabstelle Coaching für den Pflegedienst
Tel.: 0951-50316102
nadja.faust@sozialstiftung-bamberg.de

Cäcilie Nawratil, Mitglied Personalrat
Tel.: 0951-50311073
caecilie.nawratil@sozialstiftung-bamberg.de

Markus Winkler, Kaufmännischer Leiter Personal
Tel.: 0951-/50311200
markus.winkler@sozialstiftung-bamberg.de

Struktur- und Leistungsdaten – Kennzahlen

Anzahl der vollstationären Planbetten: 1.013
Anzahl der ärztlichen MitarbeiterInnen 388
Anzahl der Gesundheits- und KrankenpflegerInnen 1.124
Anzahl der Gesundheits- und KinderkrankenpflegerInnen 67
Anzahl der AltenpflegerInnen 33

Projektmotivation/-vorbereitung

Ausgangslage

  • Im Rahmen des WiK-Bayern-Programms wurden in der Sozialstiftung Bamberg zur Gesundheitsförderung und Belastungsreduktion der Mitarbeiter in der Pflege unterschiedliche Teamentwicklungsmaßnahmen in Form von Coachings angeboten.
  • Wiedereinsteiger in den Pflegeberuf zeigten häufig Schwierigkeiten, sich in die bestehenden Pflegeteams und Arbeitsprozesse zu integrieren. Zudem haben sie besonderen Bedarf z.B. an EDV Schulungen (KIS, Patientendatenmanagement, Pflegeplanung). Daher wurde für Wiedereinsteiger und neue Mitarbeiter im Pflegebereich ein Einzelcoaching entwickelt.


Beteiligte Berufsgruppen/Personen

  • Geschäftsleitung
  • Pflegedirektion
  • Pflegedienstleitung
  • Personalabteilung
  • Personalrat (Projektteam)
  • Weiterhin Eingebunden:
    • IT-Abteilung
    • Stationsleitungen
    • Ärztlicher Dienst
    • Medizinische Fachangestellte
    • Hauswirtschaftlicher Dienst
    • Physiotherapie
    • Externer Trainer


Externe Projektförderung 

  • Das Projekt erhielt im Rahmen des WIK-Projekts (Weiterbildung im Krankenhaus) eine Förderung über den Europäischen Sozialfonds (ESF).

Projektumsetzung

Ziele

  • Einzelcoaching: Erhöhen und ggf. Auffrischen der fachlichen Qualifikation. Erleichterung des (Wieder)Einstiegs in den Pflegeberuf und im Speziellen in die Arbeitsteams und ggf. Abbau von Ängsten bei Neu- und Wiedereinsteigern
  • Teamprozesse: Erarbeiten von Vereinbarungen zur Zusammenarbeit, Koordination und Kommunikation, die vom Team gemeinsam getragen und nachhaltig verankert werden.


Zielgruppe

  • Einzelcoaching: Neu- und Wiedereinsteiger in den Pflegeberuf
  • Teamprozesse: Pflegeteams und gemischte Teams (Pflegekräfte, Ärzte, Medizinische Fachangestellte, Physiotherapie, Hauswirtschaftlicher Dienst, Servicekräfte)


Projektdauer

  • Start im Juli 2010; seither stetige Fortführung der Maßnahmen

Projektbeurteilung

Evaluationsergebnisse

  • Die Rückmeldebogen der Einzelcoachings zeigten bislang stets zufriedene Bewertungen. „Handlungsrahmen“ für Einzelcoachings valides Instrument für die Praxis. Coachingkonzept speziell für Leitungspositionen in der Pflege wird derzeit neu entwickelt.
  • Teamcoachings werden regelhaft im Anschluss an die Maßnahme und nach zwei Monaten im Team bewertet. In diesem Bereich wurden bereits Etappenziele erreicht z.B. bei der Teamentwicklung; es besteht jedoch weiter Handlungsbedarf.
  • Positiver Einfluss der Teamentwicklungsmaßnahmen auf das Team hat sich im Haus herumgesprochen, so dass gezielt Anfragen für ein Teamcoaching gestellt werden.
  • Coachinggespräche mit Stationsleitungen finden schon regelhaft seit Anfang 2013 statt. Anlässe u.a. : Reflexion von Praxissituationen, Einschätzen des eigenen Handelns, Unterstützung bei Entscheidungsfindungen.

Rückblickend besonders erfolgreich/gelungen

  • Mitarbeiter fühlten besondere Wertschätzung, da man sich ihrer Probleme angenommen hat
  • Berührungsängste vieler Pflegemitarbeiter gegenüber der Arbeit am PC wurden abgebaut (IT-Schulungen)
  • Sensibilisierung der Mitarbeiter fand statt, führte zu verbesserter Zusammenarbeit an Schnittstellen
  • Vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen Arbeitgeber- und Arbeitnehmerseite insbesondere mit der Projektgruppe führte zur Fortführung und damit zur besonderen Nachhaltigkeit der Maßnahmen

Eingeführte Maßnahme

Einzelcoaching

  • Einzelcoaching für Pflegekräfte erfolgt nach Auftrag durch Pflegedirektion, Stationsleitung oder die/den Coachee = Gecoachte(r)
  • Der Coachingprozess ist dabei in fünf Phasen unterteilt und orientiert sich an einem „Handlungsrahmen“, der jeweils auf die individuellen Bedürfnisse angepasst wird:
Phasen im Coachingprozess © Sozialstiftung Bamberg
  • Vorgespräch
    • Umfasst die Schilderung der Arbeitsweise des Coaches und Unsicherheiten bei der/dem Coachee in Bezug auf berufliche Situationen. Das Coaching zielt auf eine Weiterentwicklung von Ressourcen ab, ist weniger an Defiziten orientiert: Es geht um ermutigen, fördern, bei Bedarf Konfliktbearbeitung, positive Anregungen geben, Integration ins Team.
    • Gearbeitet wird individuell zugeschnitten auf die begleitete Person.
    • Zusätzlich: Klären von Handlungsbedarfen mit der betreffenden Stationsleitung.

  • Erstgespräch
    • Besprochen werden berufliche Situation, Fähigkeiten, Herausforderungen sowie Zeitplanung und Rahmen des Coaching. Ein Coachingprozess dauert meist mehrere Wochen.
    • Es findet eine gegenseitige Übereinkunft über den Inhalt der gemeinsamen Arbeit und das methodische Vorgehen statt.
    • Es ergeben sich eventuell neue Coaching-Aspekte im Laufe des Prozesses. Es werden Ziele festgelegt und Schwerpunkte, an denen gearbeitet werden soll.

      • Übergeordnete Ziele:
        • Klärung der Berufsrolle: Entwicklung einer Haltung, die hilft, mit den Anforderungen der Praxis umzugehen.
        • Umsetzen von Handlungen in der Praxis und die Überprüfung der Wirksamkeit beruflichen Handelns.
        • Erweiterung von Handlungsmöglichkeiten.

      • Weitere Ziele:
        • Feldspezifische Ziele: Stärkung der Fach- und Feldkompetenz, Entwicklung von Handlungswissen und Fertigkeiten (in Zusammenarbeit mit dem Team).
        • Der Coach klärt mit der/m Coachee ab, wo weitere Unterstützung notwendig ist (z.B. Fortbildungen, Einüben der Anwendung von EDV, Arbeit nach Standards).
        • Persönlichkeitsbezogene Ziele: Förderung von Sozial- und Persönlichkeitskompetenz, Verarbeitung von psychischen Belastungen und eventuellen Konfliktsituationen, Stärkung der reflektiven Kompetenz.
        • Organisationsbezogene Ziele: Koordination verschiedener Interessen, Einführung in Netzwerke des beruflichen Handelns.

    • Folgegespräch
      • Erarbeitung von Lösungen, Umsetzung konkreter Schritte, Abgleich mit Zielen.
      • Umsetzung erfolgt durch:
      • Anleitung/Begleitungen im Berufsfeld: Orientierung an Praxissituationen. Erlerntes Wissen/Fähigkeiten werden in der Berufspraxis umgesetzt unter Einsatz von Coachingmethoden.
      • Reflexion: Überprüfung der Wirksamkeit beruflichen Handels, z.B. intuitiv geleistete praktische Arbeit systematisieren und reflektieren, prozessuale Arbeitsabläufe erkennen, Umsetzung der Koordination in der Pflege, Zeitmanagement, Prioritätensetzung, Umgang mit Stress, Abgleich von Selbst- und Fremdwahrnehmung
      • Zusätzlich: Der Coach hält gemeinsam mit der/dem Coachee Kontakt zur Stationsleitung über den Coachingstand. Koordination der Schnittstellen Coachee, Stationsleitung und Team.

      • Abschlussgespräch
        • Der Coachingprozess wird ausgewertet: es erfolgt gegenseitige Rückmeldung; ein Protokoll über Coachingzeiten und übergeordnete Themen wird erstellt.
        • Erfolge sind z.B. erlangtes Bewusstsein über Stärken, gezieltere Nutzung von Fähigkeiten und Fertigkeiten, Veränderung der Einstellung zu bestimmten Themen, Steigerung des eigenen Selbstwertgefühls, Erlernen von neuen Verhaltensweisen, gewonnene Klarheit über die eigene Situation, emotionale Entlastung, Rückmeldung von positiven Veränderungen durch Menschen im eigenen Umfeld, erlangtes Organisationswissen, positive Rückwirkungen auf das Arbeitsfeld.

      • Abschlussgespräch mit Stationsleitung
        • Umfasst ein Feedback zum Coachingprozess, zu Zielen und einen Ausblick.
        • Themen aus dem Coaching werden nur nach Absprache weitergegeben.
        • Verantwortungen für Umsetzung/Koordination des Prozesses hat der Coach. Inhalte und Länge jedes Coachingprozesses sind individuell.
        • Vertraulichkeit wird zugesichert.

      Teamcoaching

      • Entwicklung von patientenorientierten Tagesabläufen und Vereinbarungen zur guten interdisziplinären Kommunikation: Im gemischten Team wird ein strukturierter Tagesablaufplan mit Blick auf die Bedürfnisse der Patienten entwickelt. Die Anliegen der  verschiedenen Berufsgruppen werden verhandelt und es entstehen gemeinsam getragene Vereinbarungen zu Koordination und Kommunikation miteinander. Ziel sind reibungslosere Abläufe und bessere Absprachen. (Durchgeführt in bisher 7 Teams, darunter die Wahlleistungsebene mit  Zuständigkeiten von 7 verschiedenen Chefärzten)
      • Teamcoaching bei Teamkonflikten: Bei auftretenden Konflikten im Team wird ein Teamworkshop durchgeführt, in dem der Konflikt bearbeitet wird. (Durchgeführt in bisher 3 Teams)
      • Kollegiale Fachbesprechung in interdisziplinären Teams:    Entweder als Teamentwicklungsprozess oder als Maßnahme zum Wissenstransfer moderierte kollegiale Fallbesprechungen. (Durchgeführt in bisher 2 Teams)
      • Teamcoaching zum wertschätzenden Umgang miteinander und mit den Schnittstellen: Diese Teamprozesse wurden zunächst über das WiK-Projekt angeboten und bestehen seitdem fort.
        Hier sind Schwerpunkte:
        • Förderung einer wertschätzenden und konstruktiven Zusammenarbeit der verschiedenen Berufsgruppen
        • Kommunikation: Feedback
        • Herstellung von Vertrauen und guter Kooperation
        • Herstellung einer positiven Teamkultur (Durchgeführt im Rahmen von WiK in 5 Teams; danach durchgeführt in 2 Teams)
      • Unterstützung der Zusammenführung von zwei Pflegeteams zu einer Pflegegruppe durch  Teamentwicklungsmaßnahmen: Ziel ist auch hier die Herstellung von Vertrauen ineinander und gute Kooperation im Gesamtpflegeteam durch die begleitenden Teambildungsmaßnahmen. (Durchgeführt in bisher einem Team)

      Die Entscheidung, welcher Mitarbeiter oder welches Team letztendlich ein Coaching erhält, wird unterschiedlich getroffen: Bei interprofessionellen Teamcoachings treffen der jeweilige Chefarzt, die Pflegedirektion und die Stationsleitung eine gemeinsame Entscheidung. Bei Teamcoachings für pflegende Mitarbeiter entscheiden die Stationsleitungen zusammen mit der Pflegedirektion. Einzelcoachings für Mitarbeiter im Pflegebereich werden gemeinsam von der Pflegedirektion, der Stationsleitung und dem Mitarbeitenden beauftragt.