Daten zum Modell

   
Datum 24.06.2014
Ort Klinikum Nürnberg
Interviewpartner Manfred Rupp, Personalmanagement
Themenkategorie „Vereinbarkeit von Familie, Freizeit und Beruf“
Maßnahme Vereinbarkeit Familie & Beruf
   

Name des Krankenhauses

Anschrift Klinikum Nürnberg
Prof.-Ernst-Nathan-Str. 1
90419 Nürnberg
Klinikleitung Vorstand:
Dr. Alfred Estelmann

Leitung Infrastruktur und Steuerung:
Dr. Andreas Becke

Leitung Personal und Patientenversorgung:
Peter Schuh

Leitung Strukturentwicklung und Medizin:
Dr. Dr. Günter Niklewski
Webseite http://www.klinikum-nuernberg.de
Ansprechpartner der Maßnahme Manfred Rupp
Tel.: 0911-398 5091
manfred.rupp@klinikum-nuernberg.de

Struktur- und Leistungsdaten – Kennzahlen

Anzahl der vollstationären Planbetten: 2.370
Anzahl der ärztlichen MitarbeiterInnen 1.077
Anzahl der Gesundheits- und KrankenpflegerInnen
inkl. der Gesundheits- und KinderkrankenpflegerInnen
2.307

Projektmotivation/-vorbereitung

Ausgangslage

  • Das Klinikum beschäftigt rund 74% weibliche Mitarbeiter, von denen eine Vielzahl in Teilzeit oder im Schichtbetrieb arbeitet. Es sind stets ca. 600 Mitarbeiter in Beurlaubung, entweder in 3-jähriger Elternzeit des BEEG oder im Sonderurlaub nach § 28 TVöD. Mitarbeiter, die nach längerer Abwesenheit ins Klinikum zurückkamen, haben z.T.  trotz entsprechender Unterstützung Schwierigkeiten bei der Wiedereingliederung. Auch für die aufnehmenden Bereiche ist es manchmal schwierig, Mitarbeiter nach längerer Abwesenheit wieder ins Team zu integrieren.


Planungen im Vorfeld

  • Bestandsaufnahmen zur Situation im Klinikum hinsichtlich Mitarbeiterbindungs- und Wiedereingliederungsmaßnahmen insbesondere bei RückkehrerInnen wurden durchgeführt.


An der Planung beteiligte Berufsgruppen/Personen

  • Führungskräfte, Pflegedienstleitungen, Stationsleitungen
  • Personalrat
  • Gleichstellungsbeauftragte
  • MitarbeiterInnen, die zurückgekehrt sind


Externe Projektförderung 

  • Das Projekt erhielt im Rahmen des WIK-Projekts (Weiterbildung im Krankenhaus) eine Förderung über den Europäischen Sozialfonds (ESF), welche jedoch nicht vollständig ausgenutzt werden konnte.

Projektumsetzung

Ziele

  • Beurlaubung und Teilzeit in der Familienphase möglichst frühzeitig attraktiv und transparent planen und kombinieren zu können
  • Beurlaubten Mitarbeiterinnen durch ein Eingliederungs- und Kontakthalteprogramm bereits im Vorfeld der „Erziehungs- und Familienphase“, eine gemeinsame Orientierung, eine Planung und gute Rückkehrperspektiven zu ermöglichen
  • Familienbezogene Hilfen und Betreuung für die Kinder von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern effektiv und unterstützend zu organisieren


Zielgruppe

  • Hauptsächlich MitarbeiterInnen nach Familiengründungsphase/in der Betreuungsphase von Kindern
  • Erste Unterstützung wird angeboten für MitarbeiterInnen mit Bedarf im Home- und Eldercare


Elementare Konzeptbestandteile

  • Planungsgespräch
  • Kontakthalteprogramm
  • Wiedereingliederungsmaßnahmen
  • Flexible Arbeitszeitmodelle
  • Kinderbetreuung
  • Teilprojekte


Teilprojekte

  • In einem „Planungsgespräch“ vor Beginn des Mutterschutzes / Elternzeit wird gemeinsam mit dem Vorgesetzten ein Fahrplan für die nächsten Jahre (bis zur Vollendung des 7. Lebensjahres des Kindes) aufgestellt. Geplante Beurlaubungen, Teilzeit- und Vollzeittätigkeiten werden dabei nicht endgültig festgelegt, sondern dienen zur Orientierung für beide Seiten. Änderungen sind während dieser Zeit stets möglich.
  • Während der Elternzeit/Beurlaubung wird durch Kontakthaltegespräche (zweimal jährlich) mit dem Vorgesetzten oder einem Patenprogramm sichergestellt, dass jeder Mitarbeiter weiterhin über die Klinik / Abteilung informiert bleibt. Zusätzlich wird  jährlich ein „Rückkehrerinnentag“ im Klinikum vom Personalmanagement und der Gleichstellungsbeauftragten organisiert und den MitarbeiterInnen in Elternzeit / Beurlaubung wird dort neben aktuellen Informationen auch die Gelegenheit zur Vernetzung geboten.
  • Aufbau eines Qualifizierungsprogramms zur schnellen und effektiven Wiedereingliederung von MitarbeiterInnen in der Pflege („We(l)-Come-Back“) (Umfang 80 Stunden: 72 Stunden Unterricht, 8 Stunden Coaching)
  • Dokumentation des Angebots an unterschiedlichen Teilzeitmodellen zur Erleichterung des Wiedereinstiegs: Teilzeit mit Festlegungen (z.B. Wochentage, Schichten), Reduzierte Arbeitszeit, Teilzeit mit individuellen Schichtzeiten oder Jobsharing. Nicht alle Teilzeitmodelle werden jedoch in allen Abteilungen angeboten, wenn durch die Arbeitskompensation die Belastung der übrigen Mitarbeiter zu groß wird. Es existiert ein zentrales Dienstplanteam, welches Stationen bei der Aufstellung und Umsetzung von Dienstplänen unterstützt.
  • Zusammen mit dem Verein „Schaukel Kinderbetreuung e.V.“ hat das Klinikum verschiedene Betreuungseinrichtungen ins Leben gerufen. Diese Einrichtungen bieten u.a. kurze Wegezeiten zum Klinikum, keine Ferienschließungen und Öffnungszeiten von 06:00 bis 20:00 Uhr.
  • In Kooperation mit anderen Nürnberger Firmen im Rahmen der „Familienbande“ und der Johanniter-Unfall-Hilfe e.V. wird in den Oster- und Sommerferien eine Ferienbetreuung für Kinder bis 12 Jahre angeboten.
  • Im Fall von nichtplanbaren spontanen Betreuungsnotständen hat das Klinikum mit dem bundesweiten Anbieter „pme Familienservice“ einen Servicevertrag abgeschlossen. MitarbeiterInnen erhalten dort schnell und zuverlässig eine Kinderbetreuung. Die Vermittlungsgebühr für die Dienstleistung wird dabei vom Klinikum übernommen, die Mitarbeiter zahlen nur die tatsächlichen  Kosten der Kinderbetreuung.
  • Erste allgemeine und individuelle Unterstützung wird durch den „pme Familienservice“ für MitarbeiterInnen mit Bedarf im Home- und Eldercare angeboten. Derzeit werden Informationsveranstaltungen und persönliche Beratungen zur häuslichen und stationären Pflege, Finanzierungsmöglichkeiten, rechtlichen Situation und psychosozialen Themen angeboten. Eine Ausweitung dieses Angebotes ist geplant.


Anfängliche Akzeptanz

  • Die Annahme der Betreuungseinrichtungen war direkt sehr gut. Mittlerweile gibt es für die Gruppen Wartelisten.
  • Das Qualifizierungsprogramm für Wiedereinsteiger („We(l)-Come-Back“) konnte wegen Nichterreichen der Mindestteilnehmerzahl nicht umgesetzt werden. 


Projektdauer

  • Start im Juli 2011
  • Gesamtprojekt wurde in Regelstrukturen überführt

Projektbeurteilung

Evaluationsergebnisse

  • Angebote für Kinderbetreuung, Ferienbetreuung sowie des (pme-)Familienservice werden von den MitarbeiterInnen gut bis sehr gut angenommen.
  • Ebenso werden die Beratungsangebote angenommen.
  • Evaluationsergebnisse der Flexiblen Familienzeit oder Kontakthalteprogramme liegen derzeit noch nicht vor.

Übernahme der Maßnahmen in die Regelversorgung

  • Sämtliche Teilprojekte – bis auf das Qualifizierungsprogramm für Wiedereinsteiger – wurden in die Regelversorgung übernommen.

Rückblickend besonders erfolgreich/gelungen

  • Kinderbetreuung mit dem Verein „Schaukel Kinderbetreuung e.V.“
  • Zusammenarbeit der Projektgruppe mit dem internen Fortbildungsinstitut cekib (Centrum für Kommunikation, Information, Bildung) bei der Konzeption eines Qualifizierungsprogramms
  • Kooperation mit „pme Familienservice“ bei spontanen Betreuungsnotständen – würde man gerne noch bekannter machen.

Förderliche Faktoren

  • Der gemeinsame Austausch und die Aufmerksamkeit, die diesem Projekt geschenkt wurde, hat Bewegung in das Thema „Vereinbarkeit Familie und Beruf“ im Klinikum Nürnberg gebracht.