Familiengerechtes Krankenhaus

Die Medizinische Hochschule Hannover (MHH) hat seit einigen Jahren ein ganzes Bündel von Maßnahmen eingesetzt, um ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, den Forschenden und den Studierenden mit Kindern eine bessere Abstimmung zwischen Kindererziehung, Familie und Beruf bzw. Studium zu ermöglichen. Die Maßnahmen reichen von der Regelbetreuung von Kindern über die Notfallbetreuung, Maßnahmen zum Wiedereinstieg von Pflegekräften bis hin zur aktiven Förderung von Ärztinnen nach der Kinderphase.

   
Datum 21.02.2011, Aktualisierung 31.12.2014
Ort Medizinische Hochschule Hannover (MHH)
Interviewpartnerin Dr. Bärbel Miemitz, Gleichstellungsbeauftragte der MHH und Projektleitung für das „audit familiengerechte hochschule“
Themenkategorie „Vereinbarkeit von Familie, Freizeit und Beruf“
Maßnahme Familiengerechtes Krankenhaus
   

Projektanlass

Vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung und des Wertewandels in der Gesellschaft will sich die Medizinische Hochschule Hannover als attraktive Arbeitgeberin und Ausbildungsstätte positionieren. Durch familiengerechte Strukturen und eine familienbewusste Kultur sollen nicht nur hoch motivierte Studierende und exzellente Wissenschaftler angezogen, sondern auch die Rekrutierung von qualifiziertem Krankenhauspersonal erleichtert werden. Zufriedenheit, Motivation und Bindung an die Medizinische Hochschule Hannover sollen bei Beschäftigten und Studierenden gestärkt werden und den Leistungen in Lehre, Forschung und Krankenversorgung zugutekommen.

Projektumsetzung

Die Medizinische Hochschule Hannover bietet eine Vielzahl von Maßnahmen an, um eine familiengerechte Beschäftigung bzw. Studium zu ermöglichen.
Ein zentraler Punkt stellt die ständige Verbesserung der Kinderbetreuung für Beschäftigte und Studierende dar. Wichtiger Baustein ist die Regelbetreuung der Kinder. Die Medizinische Hochschule Hannover bietet insgesamt 380 Plätze, davon ca. 150 Plätze für Kinder unter drei Jahren, in unterschiedlichen Einrichtungen und Modellen an. Ein Kennzeichen der Regelbetreuung sind die großzügigen Öffnungszeiten und die hohe Qualität mit musikalischer und bilingualer Frühförderung.
Seit Oktober 2008 besteht die Möglichkeit eine Kindernotfallbetreuung zu nutzen. Diese Betreuung greift, wenn die regelmäßige Betreuung kurzfristig, z. B. wegen Erkrankung einer Betreuungsperson, ausfällt. Eine Betreuung erfolgt zwischen 5:45 und 19:00 Uhr, auch am Wochenende. Bis zu 15 Nutzungstage pro Kind und Jahr stehen den Beschäftigten und Studierenden zur Verfügung. Die Kosten für die Betreuung werden von der Medizinischen Hochschule Hannover übernommen, wenn die Notfallbetreuung aus dienstlichen oder studienbedingten Gründen in Anspruch genommen werden muss.

Darüber hinaus findet in Kooperation mit externen Dienstleistern und den anderen Hannoverschen Hochschulen seit 2007 eine Kinderbetreuung in den Sommer-, Herbst- und Osterferien statt.
Seit Mitte 2010 läuft das Projekt „Wiedereinstieg nach der Elternzeit für die Pflege“. Ziel ist es, verbesserte Bedingungen für den Wiedereinstieg von Mitarbeitern in der Gesundheits- und Krankenpflege nach einer familienbedingten Auszeit zu schaffen, die Work-Life-Balance und die Vereinbarkeit von Pflege in Schichtarbeit und Familie zu optimieren und die Rückkehrenden fachlich und überfachlich auf ihre Berufstätigkeit vorzubereiten. Der Übergang von familienbedingtem Sonderurlaub in die Berufstätigkeit erfolgt nicht abrupt, sondern fließend. Die Pflegekräfte können sich nach und nach wieder an die fachlichen, psychischen und physischen Herausforderungen im Pflegealltag gewöhnen. Überfachliche Workshops sollen die persönlichen Kompetenzen schulen. Die Teilnehmer erhalten neun fachliche Fortbildungen (200 Stunden), in denen sie auf die speziellen Anforderungen der Pflege der Medizinischen Hochschule Hannover vorbereitet werden. Inhalte dieser Fortbildungen sind z. B. der Umgang mit Dokumentations- und EDV-Software, Pflegeorganisationsformen und Pflegewissenschaft, Reanimationstechniken, aber auch Grundkenntnisse des Pflegemanagements und der Pflegefinanzierung. Einige Fortbildungen orientieren sich an dem spezifischen Pflegewissen einzelner Fachgebiete, z. B. „Spezielle Pflege in der Onkologie“. Jede Wiedereinsteigerinn und jeder Wiedereinsteiger kann während der Fortbildungsveranstaltungen ein zusätzliches, für die Teilnehmer kostenloses, Kinderbetreuungsangebot nutzen. Ein ähnliches Projekt wurde auch für den Wiedereinstieg von Technischen Assistentinnen und Assistenten eingeführt, das beim „Internen Arbeitsmarkt“ angesiedelt ist.

Speziell für die Förderung von Ärztinnen wird das Instrument der leistungsorientierten Mittelvergabe mit Familienorientierung („Familen-LOM“) eingesetzt. Dieses Instrument soll Kliniken einen Anreiz bieten, Ärztinnen nach der Geburt eines Kindes weiterzubeschäftigen und Mütter in ihrer Karriereentwicklung zu fördern. Familien-LOM in Höhe von 12.000 Euro wird an MHH-Kliniken ausgezahlt, wenn eine Ärztin ein Kind bekommt und innerhalb eines Jahres an ihren Arbeitsplatz zurückkehrt. Die Mittel kann die Klinik nach eigenem Ermessen verwenden.
Ein weiteres Themenfeld stellt die Pflege von Angehörigen dar. Hierzu wird interessierten Studierenden und Beschäftigten regelmäßig ein Workshop angeboten. Neben den Rechten und Pflichten der Beschäftigten mit pflegebedürftigen Angehörigen werden auch die verschiedenen rechtlichen Bedingungen und Möglichkeiten im Rahmen der Pflege-, Kranken- und Rentenversicherung geschildert.

Projektbeurteilung

Rückblickend waren die vielen einzelnen Maßnahmen, die ergriffen wurden, sehr erfolgreich, so dass ein erneuter Durchlauf des Projektes für 2015 geplant ist. Die Akzeptanz der Instrumente ist bei den Mitarbeitern sehr hoch. Das Ziel des familiengerechten Krankenhauses wird von der Leitung der Medizinischen Hochschule nachdrücklich ideell, personell und auch finanziell unterstützt. Es wurde eine Verstetigung des Projektes „Wiedereinstieg nach der Elternzeit für die Pflege“ aus Eigenmitteln der MHH erreicht. Durch eine Sensibilisierung von Vorgesetzten für familiengerechte Strukturen konnte ein Kulturwandel in Gang gesetzt werden.