Erfolgsfaktor Familie

Ziel der Projekte war die Verbesserung der Vereinbarkeit von Beruf und Familie in Hammer Krankenhäusern sowie deren Positionierung als attraktive Arbeitgeber. Im Rahmen des Projekts "Krankenhaus – Familie" wurden mit allen teilnehmenden Krankenhäusern Projekte und Maßnahmen entwickelt. Jedes Krankenhaus musste auch ein Projekt für alle anderen Krankenhäuser anbieten. Die Projekte leisten einen wichtigen Beitrag zur langfristigen Sicherung des Fachkräftebedarfs.

   
Datum 21.02.2011, Aktualisierung 31.12.2014
Ort St. BARBARA-Klinik Hamm GmbH – St. Barbara-Klinik Hamm-Heessen
Interviewpartnerin Dr. Birgit Sauer
Themenkategorie „Vereinbarkeit von Familie, Freizeit und Beruf“
Maßnahme Kinderbetreuung, haushaltsnahe Dienstleistungen
   

Projektanlass

Eine im Jahr 2007 von der St. Barbara-Klinik Hamm-Heessen initiierte Mitarbeiterbefragung bzgl. des Kinderbetreuungsbedarfs (Bedarfsanalyse) zeigte, dass Verbesserungen in diesem Bereich durchaus gewünscht wurden. Es ergab sich ein geringer Bedarf im Bereich 3 bis 6 Jahre, vorrangig für Kinder mit Randzeitenbetreuung, aber ein hoher Bedarf für Kinder im Alter von 0 bis 3 Jahren. Anfängliche Belegplatzverhandlungen mit Kindertagestätten in der Umgebung scheiterten an dem unzureichenden Platzkontingent vor Ort. In der Folge wurde eine eigene betriebliche Kindertagesbetreuung konzipiert, Startschuss für das Projekt „Die kleinen Strolche“.
2005 hat die Stadt Hamm das strategische Leitprojekt „Familienfreundliche Stadt Hamm“ initiiert. Zentrale Fragestellung war: „Wie kann man Familienfreundlichkeit von Unternehmen unterstützen?“ Im März 2008 erfolgte eine Einladung des Familienbüros und der Wirtschaftsförderung Hamm zu einem ersten Austausch aller Hammer Krankenhäuser.
Im Rahmen des folgenden Projekts „Krankenhaus – Familie“ – gefördert aus Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung und des Ministeriums für Generationen, Familie, Frauen und Integration – wurden gemeinschaftlich mit allen Hammer Krankenhäusern familienfreundliche Projekte und Maßnahmen entwickelt. Neben hausübergreifenden gemeinschaftlichen Maßnahmen (deren Beteiligung nicht zwingend war), konnte jedes Krankenhaus auf Basis einer umfassend angelegten Bedarfsanalyse eigene, hausindividuelle Lösungsansätze aufgreifen.
Seit Anfang 2008 ist die St. Barbara-Klinik Hamm-Heessen außerdem Mitglied im Unternehmensnetzwerk „Erfolgsfaktor Familie“.  Im Juni 2010 wurde sie für ihre familienfreundlichen Maßnahmen mit dem Dortmunder Personalmanagement-Prädikat „New Deals 2010“ ausgezeichnet.

Projektumsetzung

Wichtige Zielsetzungen der beiden Projekte „Die kleinen Strolche“ und „Krankenhaus – Familie. Hammer Krankenhäuser gestalten familienfreundliche Rahmenbedingungen für ihre Beschäftigten“ waren eine Verbesserung der Vereinbarkeit von Beruf und Familie in Hammer Krankenhäusern sowie die Positionierung als attraktiver Arbeitgeber. Die Projekte leisten einen wichtigen Beitrag zur langfristigen Sicherung des Fachkräftebedarfs. 

Projekt „Die kleinen Strolche“
Die St. Barbara-Klinik Hamm-Heessen unterhält eine eigene Verbundtagespflege, die drei Minuten Fußweg von der Klinik entfernt liegt. 0- bis 3-jährige Kinder können dort montags bis freitags von 5.30 bis 21.30 Uhr durch Tagesmütter betreut werden. Die Betreuungszeit sollte aus pädagogischen Gründen jedoch neun Stunden am Tag nicht überschreiten. „Die kleinen Strolche“ sind ganzjährig geöffnet (außer an den Werktagen zwischen Weihnachten und Neujahr).
Die Gruppe umfasst acht Regelplätze sowie einen Platz für Notfallbetreuung, z. B. wenn die eigene Tagesmutter oder andere Betreuungspersonen verhindert oder erkrankt sind (Voraussetzung ist, dass niemand sonst die Betreuung übernehmen kann).
Der Start erfolgte im November 2008 mit zwei Kindern, aber bereits im Februar 2009 wurden 6 Kinder in der Gruppe betreut. Mittlerweile ist die Gruppe ausgebucht und Mitarbeitern melden ihr Kind teilweise schon in der Schwangerschaft an, um sicher einen Platz zu bekommen. Folgeanmeldungen für Geschwisterkinder zeigen die große Zufriedenheit der Eltern mit dem Betreuungsangebot.
Darüber hinaus bietet die Elternschule der St. Barbara-Klinik Hamm-Heessen allgemeine Beratung über und Weitervermittlung von Kinderbetreuungsmöglichkeiten an.
Aufgrund der positiven Resonanz wurde mittlerweile ein zweiter betrieblicher Kindergarten in der Zweitstelle St. Joseph Krankenhaus eröffnet, obwohl dort der Betreuungsbedarf aufgrund seiner Größe geringer ausfällt. Ein weiterer Ausbau der Kindergärten ist bis 2016 angedacht. Dazu wurde eine Kooperation mit der Stadt Hamm eingegangen, die nun auch die Möglichkeit besitzt, Plätze in den Kindergärten in Anspruch zu nehmen.

Projekt „Krankenhaus – Familie“
Das Projekt besteht aus den Schwerpunkten „Kinderbetreuung“, „haushaltsnahe Dienstleistungen“, „Work-Life-Balance“ und „Pflege von Angehörigen“ sowie „Beratungsqualifizierung“.
Eine Reihe von Maßnahmen und Projekten wurden eingeführt. Hierzu zählen u. a.:

  • Eine Datenbank für haushaltsnahe Dienstleistungen: im Umkreis von 50 km wurden gemeinnützige und übergreifende Anbieter für verschiedene haushaltsnahe Dienstleistungen (z. B. Fensterputzer, Gärtner) gesucht und in die Datenbank aufgenommen; diese Datenbank ist im Intranet für alle Mitarbeiter verfügbar; teilweise werden Sonderaktionen der einzelnen Dienstleister angeboten, wie z. B. eine Sommeraktion der Gärtner zu stark vergünstigten Konditionen.
  • Wäsche-Service (Schwerpunkt haushaltsnahe Dienstleistungen): Ein gemeinnütziges Unternehmen bietet einen Wäsche- und Bügelservice an. Die Wäscheabgabe und -abholung erfolgt in der Klinik.
  • Babysitter-Schulung (Schwerpunkt Kinderbetreuung): An drei Nachmittagen erfolgt eine fundierte Ausbildung (z. B. Säuglingspflege, pädagogische Hintergründe) für junge Menschen ab 13 Jahren. Die ausgebildeten Babysitter werden in einer Vermittlungskartei – sortiert nach Alter oder Wohnort – geführt, die im Intranet von allen Mitarbeitern aufgerufen werden kann.
  • Ferienbetreuung (Schwerpunkt Kinderbetreuung): Seit den Osterferien 2010 wird regelmäßig in allen Schulferien außer Weihnachten eine Ferienbetreuung für Mitarbeiterkinder aller Krankenhäuser angeboten (in Form von Ferienfreizeiten oder Inhouse-Betreuungen).
  • Essensservice (Schwerpunkt haushaltsnahe Dienstleistungen): Seit Juli 2009 können alle Speisen der Mitarbeiter-Cafeteria mit geringem Aufpreis zum Mitarbeiterpreis auch mit nach Hause genommen werden.
  • Eltern-Kind-Café (Schwerpunkt haushaltsnahe Dienstleistungen): Ebenfalls seit Juli 2009 gibt es die Möglichkeit, das Angebot der Mitarbeitercafeteria auch mit Kindern oder sonstigen Familienangehörigen zu nutzen. Schulkinder können z. B. direkt nach Schulschluss alleine bis zur Klinik kommen und sich hier mit Mutter und/oder Vater treffen, um gemeinsam das Mittagessen einzunehmen und – unter Aufsicht der Eltern – zu spielen, lesen oder malen. Für diesen Zweck wurde eigens ein kleiner Speiseraum mit Spielecke eingerichtet. Auch Hochstühle und ein Fläschchenwärmer stehen in der Mitarbeiter-Cafeteria bereit.
  • „Pflegekofferverleihung“ an Mitarbeiter an beiden Standorten, um Mitarbeiter mit Beruf und privater Pflegeverantwortung zu entlasten.

Projektbeurteilung

Die mit den Projekten verbundenen Ziele wurden erreicht. Es liegt eine hohe Akzeptanz bei den Mitarbeitern vor. Die Wahrnehmung reicht über das Krankenhaus hinaus. So machen neue Mitarbeiter z. B. bei Einstellungsgesprächen ihre Zusage davon abhängig, ob ein Betreuungsplatz bei den „Kleinen Strolchen“ zugesagt wird. Es ist gelungen, die Interessen der Mitarbeiter und des Arbeitsgebers so auszurichten, dass alle Seiten zufrieden sind und profitieren.
Im Rahmen des Projekts „Krankenhaus – Familie“ wurde viel erreicht. Die Initiierung derartiger Projekte ist aber oft sehr zeitintensiv, sodass nicht alle Ziele in dem gesetzten Zeitrahmen bis Dezember 2010 erreicht werden konnten. Der Zusammenhalt der Häuser hat sich jedoch erheblich verbessert und an der Umsetzung familienfreundlicher Maßnahmen wird auch über das Projektende hinaus in allen Hammer Krankenhäusern weitergearbeitet.