Daten zum Modell

   
Datum 21.02.2011, Aktualisierung 31.12.2014
Ort St. BARBARA-Klinik Hamm GmbH – St. Barbara-Klinik Hamm-Heessen
Interviewpartnerin Dr. Birgit Sauer
Themenkategorie „Vereinbarkeit von Familie, Freizeit und Beruf“
Maßnahme Kinderbetreuung, haushaltsnahe Dienstleistungen
   

Name des Krankenhauses

Anschrift St. BARBARA-Klinik Hamm GmbH
Standort: St. Barbara-Klinik Hamm-Heessen
Am Heessener Wald 1
59073 Hamm
Klinikleitung Geschäftsführer
Matthias Kaufmann (Sprecher)
Frank Lohmann
Wilhelm Hinkelmann
Dr. rer. pol. Klaus Godereis

Ärztlicher Direktor
Prof. Dr. Hans-Wilhelm Wiechmann

Pflegedirektorin
Dipl.-Pflegewirtin (FH) Barbara Köster
Webseite www.barbaraklinik.de
Ansprechpartner der Maßnahme Dr. Birgit Sauer
Leiterin Elternschule/Gesundheitszentrum
Tel.: 02381 / 681-1340
Fax: 02381 / 681-1460
BSauer@barbaraklinik.de

Struktur- und Leistungsdaten – Kennzahlen 2010

Anzahl Betten 414
MitarbeiterInnen insgesamt 879, davon
Ärztinnen/Ärzte insgesamt (außer Belegärztinnen/Belegärzte) 137 Voll- oder Teilzeitkräfte
Gesundheits- und (Kinder)KrankenpflegerInnen 343 Voll- oder Teilzeitkräfte
MitarbeiterInnen im medizinisch-technischen Dienst 96 Voll- oder Teilzeitkräfte
MitarbeiterInnen in Funktionsdiensten 111 Voll- oder Teilzeitkräfte
MitarbeiterInnen in übrigen Diensten 192 Voll- oder Teilzeitkräfte

Eingesetzte Maßnahmen

  • Bedarfsanalysen
  • Mitarbeiterbefragungen

Projektmotivation/-vorbereitung

Ausgangslage

  • Seit 2008 ist das St. Barbara-Klinik Hamm-Heessen Mitglied im Unternehmensnetzwerk „Erfolgsfaktor Familie“.
  • Projekt „Die kleinen Strolche“
    • Anfang 2007 Mitarbeiterbefragung der St. Barbara-Klinik Hamm-Heessen bzgl. Kinderbetreuungsbedarf (Bedarfsanalyse) (z. B. Wünsche, Alter der Kinder, Zeit der Betreuung etc.)
    • Resümee
      • Bedarf im Bereich 3-6 Jahre – vorrangig für Kinder mit Randzeitenbetreuung
      • keine verbindliche Belegplatzzusage der ortsansässigen Kindergärten möglich, da aufgrund von Vorgaben des Jugendamtes ortsnah wohnende Eltern bevorzugt berücksichtigt werden müssen
      • hoher Bedarf für Kinder von 0-3 Jahren ohne annähernd ausreichendes Platzkontingent vor Ort
  • Projekt „Krankenhaus – Familie“
    • Projekt wurde im Rahmen des strategischen Leitprojektes „Familienfreundliche Stadt Hamm“ initiiert: Wie kann man Familienfreundlichkeit von Unternehmen unterstützen?
    • Verbundprojekt von allen Hammer Krankenhäusern


Planungen im Vorfeld

  • Projekt „Die kleinen Strolche“
    • Einrichtung einer eigenen Betriebskita aus räumlichen Gründen nicht möglich, daher wurde über den Ankauf von Belegrechten in nahegelegenen Kindergärten/Kitas verhandelt
    • Mitarbeiterinformation über die erwartete Kooperation im Februar 2008 im Rahmen einer Gehaltsbeilage
    • 5 MitarbeiterInnen der St. Barbara-Klinik Hamm-Heessen meldeten Bedarf für Kinder unter 3 Jahren an, aber keine Bedarfsanmeldung für Kinder von 3-6 Jahren
    • im gesamten Ortsteil nur eine U3-Gruppe mit 10 Plätzen und einer langen Warteliste, daher keine Platzzusagen in diesem Umfang möglich, Belegplatzverhandlungen eingestellt
    • nach Entscheidung der Geschäftsführung, eine eigene Kindertagesbetreuung umzusetzen, erfolgten Diskussionen mit dem Jugendamt der Stadt Hamm, u. a. über die neuen gesetzlichen Grundlagen für Verbundtagespflegestellen in Nordrhein-Westfalen (Zusammenschluss von max. 3 Tagesmüttern in fremden Räumen; Betreuung von bis zu 9 Kindern erlaubt), die letztlich in der Gründung der Verbundtagespflege „Die kleinen Strolche“ endeten.
  • Projekt „Krankenhaus – Familie“
    • Zügige Einigung aller Krankenhäuser, sich mit einem Projekt zum Thema „Hammer Krankenhäuser gestalten familienfreundliche Rahmenbedingungen“ am Wettbewerb familie@unternehmen.NRW zu beteiligen
    • Auszeichnung des Projektes als beispielgebend und innovativ für Nordrhein-Westfalen in Bezug auf die bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie
    • 55 % Förderung durch Mittel des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung und des Ministeriums für Generationen, Familie, Frauen und Integration; Bereitstellung der restlichen 45% durch Personaleinsatz der beteiligten Häuser (im Durchschnitt 8-10 Std. pro Woche pro Haus)


An der Planung beteiligte Berufsgruppen/Personen

  • Geschäftsleitung
  • Stabsstellen (z. B. Personalleitung, Personalentwicklung/Organisationsentwicklung)
  • Mitarbeitervertretungen
  • Familienbüro und Wirtschaftsförderung der Stadt Hamm


Externe Projektförderung

  • Projekt „Die kleinen Strolche“: ausschließlich aus Eigenmitteln finanziert
  • Projekt „Krankenhaus – Familie“: Förderung der Sachkosten durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung und des Ministeriums für Generationen, Familie, Frauen und Integration

Projektumsetzung/Ziele

Ziele

  • Verbesserung der Vereinbarkeit von Beruf und Familie in Hammer Krankenhäusern
  • Positionierung als attraktiver Arbeitgeber
  • Imagegewinn
  • langfristige Sicherung des Fachkräftebedarfs
  • im Verbund Aushandlung besserer Konditionen möglich, z. B. durch Schließung gemeinsamer Rahmenvereinbarungen für Angebote haushaltsnaher Dienstleistungen
  • im Verbund können Maßnahmen angeboten werden, für die alleine keine ausreichende Nachfrage besteht, z. B. Öffnung einzelner Seminarangebote für die Beschäftigten aller Häuser oder Ferienangebote für Mitarbeiterkinder
  • Erfassung des Bedarfs der MitarbeiterInnen mittels Bedarfsanalyse: Welchen Bedarf haben Beschäftigte in den jeweiligen Häusern hinsichtlich familienergänzender Betreuung von Kindern, Unterstützung bei der Pflege von Angehörigen und haushaltsnahen Dienstleistungen? Anschließende Erarbeitung und Umsetzung von Maßnahmen zur besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie auf Basis der Ergebnisse der Bedarfsanalyse


Projektdauer

  • Projekt „Die kleinen Strolche“: seit 2007
  • Projekt „Krankenhaus – Familie“: seit 1.1.2009

Projektbeurteilung

Maßnahmen zur Evaluation

  • Beide Projekte wurden bisher nicht evaluiert.

Zielerreichungsgrad

  • Projekt „Die kleinen Strolche“
    • Alle Ziele wurden erreicht.
    • Es liegt eine hohe Akzeptanz bei den MitarbeiterInnen vor.
    • Wahrnehmung über das Krankenhaus hinaus: Ärztinnen/Ärzte machen z.B. bei Einstellungsgesprächen Zusage davon abhängig, ob Platz bei den „kleinen Strolchen“ zugesagt wird
    • Aufgrund der positiven Resonanz wurde ein zweiter betrieblicher Kindergarten in der Zweitstelle St. Joseph Krankenhaus eröffnet, obwohl dort der Betreuungsbedarf aufgrund seiner Größe geringer ausfällt.
    • Ein weiterer Ausbau der Kindergärten ist bis 2016 angedacht. Dazu wurde eine Kooperation mit der Stadt Hamm eingegangen, die nun auch die Möglichkeit besitzt, Plätze in den Kindergärten in Anspruch zu nehmen.
  • Projekt „Krankenhaus – Familie“
    • Viele Ziele konnten erreicht werden
    • die Zeitintensität der Initiierung derartiger Projekte wurde deutlich, so dass vereinzelte Ziele in dem gesetzten Zeitrahmen bis Dezember 2010 nicht erreicht werden konnten.
    • Der Zusammenhalt der Häuser hat sich erheblich verbessert
    • an der Umsetzung familienfreundlicher Maßnahmen wird auch über das Projektende hinaus in allen Hammer Krankenhäusern weitergearbeitet

Rückblickend besonders erfolgreich/gelungen

  • Projekt „Die kleinen Strolche“
    • Gelungene Verbindung von Interessen der MitarbeiterInnen und des Arbeitsgebers, Win-Win-Situation
    • Mit den geschaffenen Betreuungsmöglichkeiten ist es möglich, offensiv bei der Personalfindung zu werben, da sie ein wichtiges Kriterium für (mögliche) Mitarbeiter mit Kindern darstellen.
    • Mitarbeiter des Krankenhauses können jederzeit „Notfallbetreuung“ in Anspruch nehmen, wenn sie aufgrund eines beruflichen Notfalls unvorhergesehen ins Krankenhaus kommen müssen. Schaffung erleichterter Bedingungen für die Klinik zur Sicherung der Patientenversorgung
  • Projekt „Krankenhaus – Familie“
    • Zusammenrücken aller Krankenhäuser in Hamm; Bestrebung, über die Konkurrenzsituation hinweg den Mitarbeiter/die Mitarbeiterin im Fokus zu haben
    • Durch dieses Projekt sind die Mitarbeiter in der Lage, beruhigter und konzentrierter ihre Arbeit zu tätigen, was sich positiv auf die Patientenversorgung auswirkt. Ebenfalls zu Buche schlägt in diesem Sinne die Möglichkeit, die Familienbeauftragte als Ansprechpartnerin bei Problemen zu nutzen.

Rückblickend erfolglos/nicht gelungen – Schwierigkeiten des Projektes

  • Projekt „Die kleinen Strolche“
    • Der Gesetzgeber hat durch die Besteuerung und Sozialversicherungspflicht von Tagesmüttern eine Situation geschaffen, die es sehr schwierig macht, qualifizierte und engagierte Mitarbeiterinnen für diese Betreuungsform zu finden
    • Der Freiberuflerstatus der Tagesmütter bedingt auch, dass keine Weisungsbefugnis besteht.
    • Nicht optimal ist, dass die Betreuung in der Verbundtagespflege seitens des Jugendamtes an einen Mindeststundensatz von 15 Stunden gebunden ist. Es liegen viele Anfragen von MitarbeiterInnen vor, die weniger Betreuungszeit benötigen. Diese Anfragen müssen abgelehnt werden.
    • Ein „Platzsharing“ ist gesetzlich nicht möglich. Daher suboptimale Ausnutzung der Kapazitäten bei Kindern mit geringem Stundenbedarf.
  • Projekt „Krankenhaus – Familie“
    • Manche Krankenhäuser haben sich aufgrund von Trägerwechsel oder steigender Arbeitsbelastung aus der aktuellen Projektarbeit zurückgezogen.

Eingeführte Maßnahme

  • Projekt „Die kleinen Strolche“
    • Die St. Barbara-Klinik Hamm-Heessen unterhält eine eigene Verbundtagespflege, die 3 Minuten Fußweg entfernt ist.
    • Die Klinik trägt neben der Erstausstattung mit Mobiliar, Spielzeug etc. sämtliche laufenden Kosten (z. B. Miete, Versicherungen); die Betreuungsleistung der Tagesmütter wird vom Jugendamt gezahlt. Die Eltern zahlen an das Jugendamt der Stadt Hamm einen einkommensabhängig gestaffelten Elternbeitrag.
    • 0 bis 3-jährige Kinder können dort montags bis freitags von 5.30 - 21.30 Uhr durch Tagesmütter betreut werden.
    • Die Gruppe umfasst 8 Regelplätze sowie einen Platz für Notfallbetreuung, z. B. wenn die eigene Tagesmutter oder andere Betreuungspersonen verhindert oder erkrankt sind (Voraussetzung ist, dass niemand sonst die Betreuung übernehmen kann)
    • „Die kleinen Strolche“ sind ganzjährig geöffnet (außer an den Werktagen zwischen Weihnachten und Neujahr).
    • Start mit 2 Kindern im November 2008; bereits im Februar 2009 wurden 6 Kinder in der Gruppe betreut.
    • MitarbeiterInnen melden ihr Kind z. T. schon in der Schwangerschaft an oder direkt im Anschluss an ein Bewerbungsgespräch, um sicher einen Platz zu bekommen.
    • Es gibt bereits Folgeanmeldungen für Geschwisterkinder.
    • Darüber hinaus bietet die Elternschule der St. Barbara-Klinik Hamm-Heessen allgemeine Beratung über und Weitervermittlung von Kinderbetreuungsmöglichkeiten an.
    • Eröffnung einer zweiten Kinderbetreuung in der Zweitstelle St. Joseph Krankenhaus
  • Projekt „Krankenhaus – Familie“
    • Projekt besteht aus verschiedenen Schwerpunkten:
      • Kinderbetreuung,
      • haushaltsnahe Dienstleistungen,
      • Work-Life-Balance
      • Pflege von Angehörigen
      • Beratungsqualifizierung
    • Neben hausübergreifenden gemeinschaftlichen Maßnahmen (Beteiligung nicht zwingend) konnte jedes Krankenhaus auf Basis einer umfassend angelegten Bedarfsanalyse eigene, hausindividuelle Lösungsansätze entwickeln.
    • Datenbank für haushaltsnahe Dienstleistungen (Schwerpunkt haushaltsnahe Dienstleistungen): im Umkreis von 50km wurden gemeinnützige Anbieter sowie Dienstleister mit breitem Angebotsspektrum für verschiedene haushaltsnahe Dienstleistungen (z.B. Fensterputzer, Gärtner) gesucht und in eine Datenbank aufgenommen; Datenbank ist im Intranet für alle MitarbeiterInnen verfügbar; teilweise Sonderaktionen der einzelnen Dienstleister wie z.B. Sommeraktion der Gärtner.
    • Wäsche-Service (Schwerpunkt haushaltsnahe Dienstleistungen): gemeinnütziges Unternehmen bietet Wäsche- und Bügelservice an.
    • Babysitter-Schulung (Schwerpunkt Kinderbetreuung): Ausbildung von Babysittern (z.B. Ernährungsinfos, pädagogische Hintergründe) für junge Menschen ab 13 Jahren, anschließend auf Wunsch Aufnahme in einer Vermittlungskartei für interessierte MitarbeiterInnen.
    • Ferienbetreuung (Schwerpunkt Kinderbetreuung): seit Osterferien 2010 wird Kinderbetreuung für MitarbeiterInnen aller Krankenhäuser angeboten, in Form von Ferienfreizeiten (2 Wochen in den Sommerferien) oder Inhouse-Betreuungen (in Oster- und Herbstferien).
    • Essensservice (Schwerpunkt haushaltsnahe Dienstleistungen): Seit Juli 2009 können alle Speisen der Mitarbeitercafeteria gegen Aufpreis auch mit nach Hause genommen werden.
    • Eltern-Kind-Cafe (Schwerpunkt haushaltsnahe Dienstleistungen): Seit Juli 2009 Möglichkeit, das Angebot der Mitarbeitercafeteria auch mit Kindern oder sonstigen Familienangehörigen zu nutzen. Ein kleiner Speiseraum mit Kinderecke zum Spielen, Lesen und Malen unter Aufsicht der Eltern wurde eingerichtet. Auch Hochstühle und ein Fläschchenwärmer stehen in der Mitarbeitercafeteria bereit.
    • Ein Seminarangebot (Schwerpunkt: Work-Life-Balance) steht hausübergreifend für die MitarbeiterInnen aller Häuser zur Verfügung. Jedes Haus beteiligt sich mit mindestens 1 Seminarangebot für alle.
    • Unterstützung pflegender Angehöriger: Das Pflegebüro der Stadt Hamm konnte für Informationstermine in allen Krankenhäusern gewonnen werden.
    • „Pflegekofferverleihung“ an Mitarbeiter an beiden Standorten, um Mitarbeiter mit Beruf und privater Pflegeverantwortung zu entlasten