Fit for Work and Life

Das an der Medizinischen Hochschule Hannover gestartete „Fit for Work and Life“ ist deutschlandweit das erste Gesundheitsprojekt seiner Art: Mit individuell angepassten, aufeinander abgestimmten therapeutischen, präventiven und rehabilitativen Maßnahmen sollen die Mitarbeiter der MHH gesünder werden.

   
Datum 27.06.2014
Ort Medizinische Hochschule Hannover (MHH)
Interviewpartnerin DMichael Born, Geschäftsbereichsleiter Personal und Recht
Themenkategorie „Vereinbarkeit von Familie, Freizeit und Beruf“
Maßnahme Fit for Work and Life
   

Projektanlass

Nach einer Situationsverschärfung in der Krankenpflege der Medizinischen Hochschule Hannover soll die Gesundheit der Beschäftigten mit einem umfassenden Angebot verbessert werden. Das Gesundheitsprojekt „Fit for Work and Life“ bietet individuell angepasste, aufeinander abgestimmte therapeutische, präventive und rehabilitative Maßnahmen.

Projektumsetzung

Die Klinik für Rehabilitationsmedizin, das Institut für Sportmedizin, das Zentrum für Seelische Gesundheit und die  Personalentwicklung der MHH bieten den Mitarbeitern in einem Kooperationsprojekt ein weitreichendes Programm (siehe Abbildung).

Zunächst erhält jeder Mitarbeiter, der am Programm teilnehmen möchte, eine Eingangsuntersuchung inklusive körperlichem und psychischem Belastungsprofil. Der Kernansatz dieses Programms besteht darin, die Maßnahmen der Vergangenheit, welche nach dem „Gießkannenprinzip“ aus allgemeingültigen betrieblichen Gesundheitsmaßnahmen (z.B. Rückenschulen) bestand, in dieser Form einzustellen. Ersatzweise dafür werden den Mitarbeitern Angebote gemacht, welche gezielt auf sie und ihren Arbeitsplatz ausgerichtet sind.

Präventive Maßnahmen kommen hierbei für Mitarbeiter mit gelegentlichen Beschwerden zum Einsatz: Zum mentalen Präventionsprogramm gehören Schulungen zur Stressbewältigung, Gesundheit, Ernährung und Entspannung sowie Coachings für Führungskräfte. Für diese Programme wird der Mitarbeiter von der Arbeit freigestellt (12 mal 90 Minuten oder 3 mal 4 Stunden). Als zusätzliches physisches Präventionsprogramm werden Geräte- und Rehasport sowie freies Training angeboten. An diesen Programmen kann jeder Mitarbeiter 2 mal 30 Minuten pro Woche, ebenfalls während der Arbeitszeit, teilnehmen.

Gefährden die Beschwerden jedoch die Arbeitsfähigkeit, wird den Mitarbeitern Rehabilitation angeboten: Können die beruflichen Pflichten weitgehend erfüllt werden, aber körperliche Beschwerden beeinträchtigen die Bewegungen des Mitarbeiters, so wird dem Mitarbeiter die Teilnahme an „Job Fit“ empfohlen: Das Programm besteht aus einem individuellen am persönlichen Arbeitsplatz orientierten Intensivtraining (1 Woche) und 18 Trainingseinheiten (je 45 Minuten) auf drei Monate verteilt, für die der Mitarbeiter freigestellt wird.

Bei schwereren Störungen, die die Arbeitsfähigkeit gefährden, ist eine ambulante oder stationäre Rehabilitation notwendig (Job Reha II). Nach erfolgter Rehabilitation können die Mitarbeiter ohne Schwierigkeiten am Rehabilitationssport in der MHH teilnehmen. Ist allerdings der Verbleib am Arbeitsplatz oder sogar im Arbeitsleben gefährdet, organisieren Mitarbeiter der Rentenversicherung als Case-Manager weitere berufliche Maßnahmen (Job Reha III). Bei schwereren psychischen Beschwerden wird dem Mitarbeiter eine Psychotherapie empfohlen.

Projektbeurteilung

Erste Ziele des Programms wurden schon nach rund sechs Monaten erreicht: Bei 100 Teilnehmern aus der technischen Verwaltung haben nach 6 monatiger Teilnahme am „Job Fit“ Programm die Abwesenheitstage deutlich abgenommen. Ebenso hat sich bei 70 männlichen Teilnehmern an präventiven Maßnahmen der Arbeitsfähigkeits(WAI)-Index deutlich erhöht. Im April 2015 haben insgesamt 460 Mitarbeiter an dem Programm teilgenommen.
Die Einbindung der wissenschaftlichen und medizinischen Abteilungen der MHH in das Gesundheitsprogramm war wichtig für die Akzeptanz der Maßnahmen bei Präsidium und Mitarbeitern.

Derzeit zeigt sich bereits eine Sensibilisierung in der Personalführung in den teilnehmenden Bereichen: Das Personal kann effektiver und effizienter eingesetzt werden mit höherer Zufriedenheit und besserer Leistungsfähigkeit. Ebenso wird eine Änderung der Mentalität in den teilnehmenden Bereichen deutlich: Das Personal wird nicht mehr vorrangig als Kostenfaktor gesehen, sondern als wertvollste Ressource des Unternehmens.

Die Evaluation hat gezeigt, dass der Produktivitätsausfall aufgrund der Freistellung der Mitarbeiter durch Verbesserung des Arbeitsfähigkeits(WAI)-Index bzw. der Reduktion von Arbeitsunfähigkeits-Tagen kompensiert wird. In einigen Bereichen hat sich die Produktivität verdoppelt, in anderen Bereichen ist die Produktivität nach Abschluss der Maßnahme fünf Mal so hoch.