Junge Pflegende proben Führung – „IMPULS(e) für die Führung von morgen“

Am St. Christophorus-Krankenhaus in Werne können junge Mitarbeiter das Arbeiten als Führungskraft testen. Ein Jahr lang durchlaufen sie das Trainee-Programm „IMPULS(e) für die Führung von morgen“.

   
Datum 17.10.2018
Ort St. Christophorus-Krankenhaus Werne
Interviewpartner Ludger Risse, Pflegedirektor
Themenkategorie „Lebensphasengerechtes Arbeiten in der Pflege“
Maßnahme Junge Pflegende proben Führung – „IMPULS(e) für die Führung von morgen“
   

Projektanlass

Ein Blick auf die Altersstruktur der Führungskräfte im St. Christophorus-Krankenhaus Werne zeigte, dass es durch Ruhestand in den nächsten Jahren einige Wechsel geben würde. Bei den Mitarbeitern im Pflegebereich gab es jedoch kaum Eigeninitiativen, eine Führungsposition einnehmen zu wollen. Den Impuls zur Entwicklung eines Trainee-Programms gab dann der Umstand, dass eine junge Kollegin in Absprache mit dem Team gebeten wurde, die Führungsaufgaben der Station als Schwangerschaftsvertretung für ihre Leitung ein Jahr lang zu übernehmen. Mit vielfältiger Unterstützung wie Coaching und kollegialer Beratung setzte sie dort sehr schnell positive Akzente und fand Gefallen an ihrer neuen Aufgabe, obwohl sie ursprünglich die Führungsrolle nicht in ihrer beruflichen Zukunft gesehen hatte.

Daraufhin wurde ein Konzept entwickelt, mit dem junge Pflegende über ein Jahr lang an Führungsaufgaben herangeführt werden, die Arbeit der Stationsleitung kennenlernen und in Teilen übernehmen sowie – mit einer Mentor-Leitung im Hintergrund – für eine Zeit lang die Leitung der Heimatstation komplett übernehmen. Diese jungen MitarbeiterInnen haben somit die Möglichkeit, Führungsaufgaben auszuprobieren und im Alltag festzustellen, ob dies eine zukünftige berufliche Entwicklungsmöglichkeit für sie ist. Sollten sie am Ende des Jahres nicht weiter an einer Führungsposition interessiert sein, können sie ohne jegliche Beeinträchtigung ihres Ansehens oder ihrer beruflichen Position ihre alte Stelle im Team wieder aufnehmen.

Projektumsetzung

Eine Projektgruppe aus drei erfahrenen Stationsleitungen, drei jungen Mitarbeiterinnen und dem Pflegedirektor entwickelte ein Konzept für ein 12-monatiges Trainee-Programm mit strukturiertem Ablaufplan und thematischen Projektphasen. Diese Maßnahmen bieten jedoch „nur“ das Rüstzeug für die MitarbeiterInnen für die Zeit des Trainee-Programms und ersetzen keine Ausbildung zur Stationsleitung.

Das Trainee-Programm ist in unterschiedliche Phasen unterteilt, in denen bestimmte Tätigkeiten einer Führungsperson erlernt werden sollten. Jeder Trainee bleibt dabei prinzipiell auf seiner Station und erhält seine Führungskraft als Mentor:

Zunächst werden wichtige Grundlagen geschult, wie z.B. die Dienstplangestaltung und allgemeine Organisation einer Station. Gleichzeitig gibt es ein regelmäßiges Coaching durch einen externen Berater zur Rolle der Führungskraft und zur Gesprächsführung für die Trainees sowie zu den Anforderungen an einen Mentor für die Stationsleitungen. Dann folgen Schulungen zu Führungsstilen und deren Wirkung auf Mitarbeiter. Ein Stationswechsel der Trainees im Haus mit Wechsel des Mentors (Leitung der Wechselstation) soll erlernte Kenntnisse vertiefen und erste Schritte in Personalführung und Führungsgesprächen ermöglichen. Es folgen externe Workshops zur Führung von Mitarbeitergesprächen und Teamgesprächen, sodass nach erneutem Wechsel auf die Heimatstation erste Personalgespräche auf vertrautem Boden (unter Anwesenheit der Mentoren) eigenständig durchgeführt wurden sowie die Leitung von (Teilen einer) Teambesprechung. In der letzten Phase leiten dann die Trainees die Heimatstation als Juniorleitung, mit den Mentoren im Hintergrund, und übernehmen dabei alle anfallenden Leitungsaufgaben. Während des gesamten Jahres werden die Trainees dabei von einem externen Coach unterstützt. Zum Abschluss des Programms wird eine Reflexionsveranstaltung mit Trainees, Mentoren, Pflegedirektion und externer Beraterin durchgeführt.

Projektbeurteilung

In der ersten Traineegruppe 2016 standen fünf Plätze zur Verfügung, welche auf Vorschlag der Stationsleitungen vergeben wurden. Bis heute sind von den fünf Teilnehmern zwei Teilnehmer Stationsleitungen geworden, eine Mitarbeiterin ist mittlerweile stellvertretende Stationsleitung, eine Kollegin aus der Anästhesiologie hat zusätzliche Verantwortung in ihrem Bereich übernommen (dort ist derzeit keine Leitungsposition offen) und eine weitere Teilnehmerin ist in Elternzeit.

In der Traineegruppe 2017/2018 standen drei Plätze zur Verfügung, welche im Bewerbungsverfahren vergeben wurden. Bis heute sind von den drei Teilnehmern zwei Mitarbeiter stellvertretende Stationsleitungen geworden, während eine Kollegin erst noch die Fachweiterbildung zur Stationsleitung abschließen möchte.

Für 2019 ist bereits die nächste Traineerunde geplant.