Daten zum Modell

   
Datum 04.11.2016
Ort Akademie Städtisches Klinikum München GmbH
Interviewpartner Rainer Ammende, Akademieleitung
Themenkategorie „Neuordnung von Aufgaben/ Verbesserung der Prozessabläufe“
Maßnahme Anerkennungsverfahren für Pflegefachpersonal mit ausländischem Berufsabschluss in der Pflege an der Akademie des Städtischen Klinikums München in Kooperation mit der Münchner Volkshochschule GmbH
   

Name der Einrichtung

Anschrift Akademie Städtisches Klinikum München GmbH
Kraepelinstr. 18
80804 München
Die Akademie untersteht der Personalgeschäftsführerin der Städtisches Klinikum München GmbH
Geschäftsführung Städtisches Klinikum München GmbH (089) 5147-6701 Dr. Axel Fischer, Vorsitzender der Geschäftsführung
(089) 5147-6721 Dr. Thomas Krössin, Medizinischer Geschäftsführer
(089) 5147-6731 Susanne Diefenthal, Personalgeschäftsführerin und Arbeitsdirektorin
(089) 5147-6741 Dietmar Pawlik, Kaufmännischer Geschäftsführer
geschaeftsfuehrung(at)klinikum-muenchen.de
Website www.akademie-klinikum-muenchen.de
Ansprechpartner der Maßnahme Rainer Ammende, Akademieleitung
Telefon: +49(0)89 3068 7700
E-Mail: rainer.ammende@akademie-stkm.de

Struktur- und Leistungsdaten – Kennzahlen

Zahl der vollstationären Planbetten 3.500
Anzahl der MitarbeiterInnen 8.500

Projektmotivation / -vorbereitung

Ausgangslage

  • Anerkennungsverfahren ausländischer Pflegefachkräfte werden seit vielen Jahren in Deutschland durchgeführt.
  • Nach Prüfung der Unterlagen aus dem Herkunftsland genügte den Behörden der Nachweis eines (unentgeltlichen) Praktikums und eines qualifizierten Arbeitszeugnisses in der Krankenpflege, um eine Gleichstellung des Berufsabschlusses mit dem deutschen Berufsabschluss vorzunehmen.
  • Geänderte Rechtsvorschriften führen seit 2011 zu ersten dringend erforderlichen Reformschritten dieses Ausgleichverfahrens.
  • Die Regierung von Oberbayern veröffentlichte im November 2013 für die Berufsfachschulen für Krankenpflege, die Anerkennungsverfahren durchführen, einen „Leitfaden zur Durchführung von Anerkennungsverfahren für Berufsfachschulen“, auf den sich die Abbildung „Kurzbeschreibung des Verfahrens“ stützt.
  • Pflegekräfte mussten sich bisher ohne jegliche Vorgaben auf Anerkennungsprüfungen vorbereiten
  • Durch die derzeitige Personalreduktion in den Kliniken ist die Einarbeitung von Pflegefachkräften mit sprachlichen und fachlichen Problemen zudem sehr schwierig
  • Die Integration von Mitarbeitern/Kollegen mit sprachlichen und fachlichen Schwierigkeiten zieht Probleme bei der Dienstplangestaltung nach sich (weniger Personal für Nachtdienste und Dienste/Tätigkeiten mit Verantwortung), sowie bei der Dokumentation und der Ausbildung von Schülern

Planungen im Vorfeld

  • Analyse, welchen Unterstützungsbedarf ausländische Pflegekräfte haben
  • Absprachen mit Regierungsbezirk Oberbayern (z .B. Versicherungsfragen, Prüfungsbestimmungen)
  • Hilfe von Stadt München erhalten:
    • Unterstützung durch Dozenten der Akademie
    • Eine halbe VK Verwaltungskraft für die rund 200 Antragsteller pro Jahr und den damit verbundenen Verwaltungsaufwand

Am Projekt beteiligte Berufsgruppen/Personen

Dozenten der Akademie des Städtischen Klinikums München; Münchner Volkshochschule GmbH: Deutschlehrer; Referat für Arbeit und Wirtschaft der Landeshauptstadt München; Sozialreferat, Amt für Wohnen und Migration München; Koordinationsstelle Versorgung und Pflege München (Referat für Gesundheit und Umwelt); Geschäftsführungen der eingebundenen Kliniken; Praxisanleiter der Kliniken

Externe Projektförderung und Kooperationen

  • Das Referat für Arbeit und Wirtschaft der Landeshauptstadt München unterstützt die Organisation und Durchführung des Vorbereitungslehrgangs mit Mitteln des Münchener Qualifizierungs- und Beschäftigungsprogramms (www.muenchen.de/mbq). Durch diese Förderung kann der Vorbereitungslehrgang kostenfrei angeboten werden.
  • Das Sozialreferat, Amt für Wohnen und Migration ermöglicht die Durchführung des integrierten Deutschunterrichts im Lehrgang durch die Münchner Volkshochschule mit Mitteln aus MigraNet. 

Projektumsetzung

Ziele

  • Aufbau eines strukturierten Vorbereitungslehrgangs für Anerkennungsprüfungen ausländischer Pflegekräfte
  • Das Verfahren sollte weitgehend gebührenfrei für Pflegekräfte sein
  • Im Falle einer Anstellung der Pflegekräfte während des Verfahrens sollte das Verfahren möglichst wenig in den klinischen Alltag der Arbeitgeber eingreifen
  • Erleichterung der Integration ausländischer Pflegekräfte

 

 

Projektdauer

  • Seit 2012

Eingeführte Maßnahmen

  • Entwicklung eines standardisierten Konzepts zur Begleitung von Antragstellern
  • Gebührenfreier Vorbereitungslehrgang (ca. 6 Monate):
    • Insgesamt 104 Stunden, 212 UE fachtheoretischer und fachpraktischer Unterricht, davon stehen während 143 UE Deutschlehrer im Unterricht und in Kleingruppen zur Verfügung
    • Skripte werden erstellt durch die Fachdozenten
    • Teilnehmer erhalten während des Lehrganges einen kostenlosen Zugang zu dem Onlineportal CNE des Thieme Verlags
    • Vermittlung von Fachthemen (in 9 Modulen, 212 UE, vormittags):
      1. Berufskunde, Aus-, Fort-, Weiterbildung und Studium in der Pflege in Deutschland, Karrieremöglichkeiten, Recht und aktuelle Diskurse in der Politik
      2. Hygiene, Qualitätsmanagement und Standards in der Pflege
      3. Pflegetechniken (Prophylaxen, Medikamentengabe, Wundmanagement, Verbandswechsel, Infusionen und Injektionen, Drainagen etc.)
      4. Siehe 3.
      5. Krankheitslehre, Diagnostik und Therapie
      6. Siehe 5.
      7. Kommunikation
      8. Pflegekonzepte
      9. Pflegeprozess und Dokumentation
  • Nachmittags Üben der Fachsprache mit zwei Deutschlehrern
    • Sprachstandstest/Einstufungstest in Modul 1
  • Modul 10-13: Vorbereitung auf die mündliche und praktische Prüfung in Kleingruppen (ganztags)
    • Konkrete Prüfungsvorbereitung: Ausarbeitung von Präsentationen zu Krankheitsbildern und Anatomie, Simulierte Prüfungssituation, Feedback und fachliche Ergänzung von Dozenten und Teilnehmern
  • Einarbeitung im stationären Bereich mit fachpraktischer und fachtheoretischer Unterweisung
  • Prüfungsdurchführung
    • Mündliche Prüfung zu einem komplexen Fall im stationären Bereich (ca. 3,5 bis 4 Stunden)
© Akademie Städtisches Klinikum München GmbH
  • Weitere Prüfungsformen und Gebühren:
    • Alternativ können Bürger der EU oder des EWR an einer Schule eine Eignungsprüfung ablegen. Diese besteht aus einem komplexen Fallbeispiel, aus dem Pflegesituationen abgeleitet werden. Die mündliche und praktische Prüfung findet in der Schule statt. Eine einmalige Wiederholung ist möglich. Geprüft wird durch einen Pflegepädagogen und einen Praxisanleiter.
    • Bürger aus Drittstaaten können alternativ zum Anpassungslehrgang als Prüfungsform eine Kenntnisprüfung an einer Berufsfachschule wählen. Diese besteht aus einer einstündigen mündlich-theoretischen Prüfung mit einem Arzt oder Medizinpädagogen und einem Pflegepädagogen, sowie einem praktischen Prüfungsteil analog der Eignungsprüfung mit einem Pflegepädagogen und einem Praxisanleiter als Prüfer. Eine einmalige Wiederholung ist möglich.
    • Unterrichte und Prüfungen werden von behördlich genehmigtem Lehrpersonal und Praxisanleitern an Berufsfachschulen für Kranken- oder Kinderkrankenpflege größtenteils außerhalb der Arbeitszeit und gegen gesonderte Bezahlung durchgeführt. Die zu erhebenden Gebühren wurden von der Aufsichtsbehörde im Einvernehmen mit den Schulen vereinbart:
      • Beratungsgespräch EUR 50.-
      • Anpassungslehrgang (Drittstaaten) EUR 600.-
      • Anpassungslehrgang (EU /EWR) EUR 350.-
      • Eignungsprüfung (EU /EWR) EUR 350.-
      • Kenntnisprüfung (Drittstaaten) EUR 600.-

Projektbeurteilung

Evaluationsergebnisse

  • Die beteiligten Parteien sind sehr zufrieden mit dem Prozess – die Kooperationen mit den involvierten Krankenhäusern laufen sehr gut.
  • Es wurden Impulse und erste Standards gesetzt – eine Weiterentwicklung ist jedoch immer sinnvoll
  • Bisher fanden 9 Lehrgänge mit durchschnittlich 39 Teilnehmern statt, davon haben im Schnitt 2/3 der Teilnehmer den Lehrgang im ersten Verfahren erfolgreich abgeschlossen
  • Da der Großteil der Teilnehmer vor allem aus Bosnien und Herzegowina sowie Kroatien kommt und die Pflegeausbildung in den meisten Balkanstaaten eher einem medizinischen Assistenzprofil entspricht, ist mit der Vertiefung von Grundlagenfächern und der Auffrischung der Inhalte im Fach Pflege sowie der Anwendung der Fachsprache der Vorbereitungslehrgang inhaltlich gut ausgerichtet.
  • Durchschnittlich 90 % der Teilnehmer sind mit der Qualität des fachbezogenen Deutschunterrichts zufrieden bis sehr zufrieden und halten auch das Teamteaching mit einer Deutschdozentin im Fachunterricht für hilfreich.
  • Etwa 10% der Lehrgangsteilnehmer brechen den Lehrgang jedoch frühzeitig ab oder bestehen die Prüfung nicht; ein telefonisches Follow-up soll diese Zahl künftig senken

Rückblickend besonders erfolgreich/gelungen

  • Es wurde ein Bewusstsein geschaffen für die Komplexität dieser Aufgabe
  • Praxisanleiter machen mittlerweile eine „Vorprüfung“ der ausländischen Pflegekräfte und senden das Prüfungsprotokoll an die Akademie. Ohne diese Vorprüfung findet keine Endprüfung durch die Schule statt.
  • Verantwortliche Stationsleitungen sind bei den Prüfungen der ausländischen Pflegekräfte anwesend, um über den fachlichen Wissenstand ihrer Mitarbeiter informiert zu sein.

Rückblickend noch nicht gelungen

  • Die Arbeitsprofile von Pflegefachkräften in Deutschland unterscheiden sich häufig erheblich von denen in anderen Ländern
    • Ausländische Pflegekräfte sind z.T. nicht mit Arbeitsprofil zufrieden und „wandern weiter“
  • Praxisanleiter sind refinanziert für 3-jährige grundständige Pflegeausbildung. Aber: Praxisanleiter kümmern sich in den Kliniken auch um die Einarbeitung und Ausbildung der ausländischen Kräfte. Dadurch entsteht ein Ausbildungsdefizit bei den deutschen Pflegeschülern.
  • Anerkennung bzw. Prüfung entspricht nicht wirklich dem Niveau einer Abschlussprüfung in der Krankenpflege bzw. dem deutschen Pflegestandard
    • Es gibt noch keine gültigen Prüfungsstandards
    • Die Regierung von Oberbayern hat eine Gruppe von Ausbildungsschulen gebildet, die sich diesem Thema jetzt annimmt
  • Die Akademie bekommt keine Rückmeldung über den Einsatz und die „Praxistauglichkeit“ der Pflegekräfte nach erfolgreichem Anerkennungsverfahren.