Daten zum Modell

   
Datum 24.08.2010
Ort Alexianer Köln GmbH - Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Neurologie, Köln
Interviewpartner Gerhard Daniels, Pflegedienstleiter
Themenkategorie „Neue Arbeitsteilung und Prozessgestaltung“
Maßnahme Therapiemanagement durch den Pflegedienst
   

Name des Krankenhauses

Anschrift Alexianer-Krankenhaus Köln GmbH
Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Neurologie
Kölner Straße 64
51149 Köln
Tel.: 02203 / 3691 10 00 0
Fax: 02203 / 3691 11 12 9
info@alexianer-koeln.de
Klinikleitung Geschäftsführer
Dipl.-Volkswirt, Dipl.
Kaufmann Peter Scharfe
Tel.: 02203 / 3691 10 00 0

Pflegedienstleiter
Gerhard Daniels
Kölner Straße 64
51149 Köln
Tel.: 02203 / 3691 10 63 0
g.daniels@alexianer-koeln.de
Webseite www.alexianer.de/koeln/index.php

Struktur- und Leistungsdaten – Kennzahlen 2008

Betten 175
Vollstationäre Fälle 2.241
Ärztinnen/Ärzte insgesamt 23 VK
davon Fachärztinnen/Fachärzte 10 VK
Gesundheits- und KrankenpflegerInnen 98 VK
KrankenpflegehelferInnen 4 VK

Eingesetzte Maßnahmen

  • Prozessänderung
  • Einbindung der PatientInnen in die Therapieplanung

Projektmotivation/-vorbereitung

Ausgangslage

  • Im Jahr 2007 wurde wiederholt festgestellt, dass es Unstimmigkeiten und Überlappungen von Arbeitskräften bei der Therapieplanung der PatientInnen gab.
  • Es bestand Optimierungsbedarf im Arbeitsablauf an der Schnittstelle zwischen Pflegekräften und Ärztinnen/Ärzten.
  • Die vorherrschende Situation erhöhte die Unzufriedenheit der PatientInnen über Therapieausfälle und bedeutete Mehrarbeit der Pflegekräfte durch Re-/Umorganisation unerwünschter Therapien von PatientInnen in Absprache mit den anordnenden Ärztinnen/Ärzten.
  • Bei einer Erörterung des Problems auf der Führungsebene (ärztliche- und pflegerische Leitung) wurde beschlossen, diesem zu begegnen, indem die Verantwortung für die Therapieplanung von den Ärztinnen/Ärzten auf die Pflegekräfte übertragen und die PatientInnen in den Planungsprozess miteinbezogen werden sollten.


Planungen im Vorfeld

  • Ärztinnen/Ärzte, TherapeutInnen und Pflegekräfte wurden über die bevorstehenden Veränderungen informiert und zur Mitarbeit motiviert.
  • Schulungen der PflegemitarbeiterInnen über die Therapieangebote wurden vom therapeutischen Koordinator geplant und durchgeführt. Dabei wurden die Pflegekräfte über die Inhalte und Ziele der Angebote aufgeklärt.
  • Zusätzlich gibt es in regelmäßigen Abständen für Pflegekräfte die Möglichkeit, an den Therapieangeboten teilzunehmen, um sich ein eigenes Bild über den Ablauf der Veranstaltungen zu machen.


An der Planung beteiligte Berufsgruppen/Personen

  • Ärztinnen/Ärzte
  • TherapeutInnen
  • Pflegekräfte


Externe Projektförderung

Nein

Projektumsetzung

Ziele

  • Durch die Einsetzung der Pflegekräfte als „Therapiemanager“ sollte eine Prozessoptimierung im Arbeitsablauf erreicht werden.
  • Zusätzlich sollte durch die Einbeziehung der PatientInnen in die Entscheidung eine höhere Verbindlichkeit (und somit Compliance) der PatientInnen bei der Therapie erreicht werden und auf diesem Wege die Qualität der Dienstleistung verbessert werden.


Verfahren

  • PatientInnen werden an der Auswahl der für sie hilfreichen Angebote beteiligt
  • In so genannten „Schnupperangeboten“ (2-3 Versuchstermine) können sie die verschiedenen Methoden kennen lernen und prüfen.
  • Ihre Erfahrungen werden in die Therapieplanung mit einbezogen.
  • Beraten und unterstützt werden sie dabei von den Pflegekräften, welche für die endgültige Therapieplanung verantwortlich sind


Projektdauer

Einführung 2007

Projektbeurteilung

Maßnahmen zur Evaluation

  • Es gibt keine direkte Evaluation der Maßnahme.
  • Eine im Jahr 2009 durchgeführte Mitarbeiterbefragung zeigte überwiegend positive Bewertungen der Arbeitsmöglichkeiten.
  • Jährliche Patientenbefragungen zeigten zudem, dass die Zufriedenheit der PatientInnen mit der Therapie gestiegen ist und es nun mehr Klagen bei Therapieausfällen gibt, als vor der Maßnahme. Auch die stets vorgehaltenen Auffangangebote bei Therapieausfällen werden nun schlechter angenommen, als vor der Maßnahme (die PatientInnen bestehen auf ihrer „Wahltherapie“).

Zielerreichungsgrad

  • Angestrebte Ziele wurden erreicht

Rückblickend besonders erfolgreich/gelungen

  • Die Einführung und Umsetzung der Maßnahme in ca. 4-6 Monaten (Idee bis Umsetzung).

Rückblickend erfolglos/nicht gelungen

  • Die Maßnahme funktioniert noch nicht auf der Psychotherapie-Station. Dort befinden sich überwiegend PatientInnen mit einer höheren Verweildauer, die eine stationäre Psychotherapie erhalten.
  • Der Beginn der Umsetzung der Maßnahme verlief etwas schleppend. Aus diesem Grund würde bei einer erneuten Umsetzung eine offizielle Auftaktveranstaltung geplant werden, um der Maßnahme noch etwas mehr Aufmerksamkeit und ein offizielles Startdatum zu geben.

Eingeführte Maßnahmen

  • Vor der Prozessveränderung erläuterte die/der behandelnde Ärztin/Arzt den PatientInnen die Therapien, fragte die PatientInnen nach ihrer Präferenz und ordnete die Therapien dann an. Die MitarbeiterInnen des Pflegedienstes waren nur für die Ablauforganisation zuständig.
  • Es gab jedoch immer wieder Anfragen von PatientInnen nach einem Wechsel der Therapie, da die Zusammenstellung der für sie angeordneten Therapien nicht ihren Vorstellungen und Neigungen entsprach. Dies verursachte häufig einen erheblichen Arbeitsaufwand, da zunächst Rücksprache mit der/dem behandelnden Ärztin/Arzt über den Therapiewechsel gehalten werden musste, um dann bestehende Ressourcen anderer TherapeutInnen zu erfragen. Zusätzlich verursachte dies eine Verzögerung bei der Teilnahme der PatientInnen an der Therapie.
  • Nach der Prozessveränderung ist der ärztliche Dienst selbstverständlich weiterhin verantwortlich für die Therapie, nimmt diese Verantwortung aber jetzt durch Therapieausschlüsse bei medizinischen Kontraindikationen (z.B. keine Sporttherapie bei instabiler Angina pectoris) und eventuelle Modifikationen des Therapieprogramms wahr.
  • Die PflegedienstmitarbeiterInnen informieren die PatientInnen detailliert über die verschiedenen Therapieformen, den Nutzen und darüber, wo/ob die Therapie den PatientInnen eventuell überfordern könnte.
  • Bei den zu organisierenden Therapien handelt es sich z.B. um kreative Ergotherapie, Arbeitstherapie, sensorische Integration, Bewegungstherapie, Kunsttherapie, Musiktherapie, Ernährungsberatung etc. Die Therapieangebote von Ärztinnen/Ärzten und Psychologinnen/Psychologen sind von dieser Regelung ausgenommen, denn sie werden ausführlich von der/dem behandelnden Ärztin/Arzt erläutert.
  • Die PflegedienstmitarbeiterInnen erstellen in Zusammenarbeit mit den PatientInnen einen individuellen Therapieplan, der an die PatientInnen ausgehändigt wird
  • Die Organisation der Therapien läuft über ein klinikweites EDV-System, auf das auch die TherapeutInnen zugreifen. Die PatientInnen haben während zwei bis drei Versuchsterminen („Schnupperangebot“) Zeit, sich endgültig für eine Therapie zu entscheiden.
  • Sollten die PatientInnen eine andere Therapie wünschen, können die PflegedienstmitarbeiterInnen dies nun direkt im Gespräch mit den PatientInnen und je nach entsprechenden Ressourcen der TherapeutInnen im EDV-System schnell und unbürokratisch organisieren.
  • Sämtliche Therapien, Informationen über die PatientInnen oder Veränderungen ihres Zustandes werden in eine bereichsübergreifende Verlaufsdokumentation (elektronische Patientenakte) eingetragen. Zugang zu dieser Dokumentation hat das gesamte Behandlungsteam.

Eingeführte Maßnahme in die Regelversorgung übernommen

  • Die Maßnahme wurde direkt flächendeckend auf den fünf allgemeinpsychiatrischen Stationen und in den zwei Tageskliniken eingeführt. Lediglich die Suchtstationen und die gerontopsychiatrische Station sind wegen ihrer besonderen PatientInnen von dieser Maßnahme ausgeschlossen.