Daten zum Modell

   
Datum 18.05.2011
Ort Caritas-Krankenhaus Bad Mergentheim gGmbH
Interviewpartner Frank Feinauer, Betriebswirt (FH/SRH) - Gesundheitsmanagement, Pflegedirektor
Themenkategorie „Neue Arbeitsteilung und Prozessgestaltung“
Maßnahme Ersteinschätzung der Behandlungsdringlichkeit mittels Manchester-Triage-System im Zentrum für Notaufnahme durch Pflegende
   

Name des Krankenhauses

Anschrift Caritas-Krankenhaus Bad Mergentheim
Uhlandstraße 7
97980 Bad Mergentheim
Klinikleitung Hausoberer
Dipl. Theol. Thomas Wigant, M. A.

Kaufmännischer Direktor
Thomas Weber

Pflegedirektor
Frank Feinauer

Ärztlicher Direktor
Prof. Dr. med. Christoph Eingartner
Ansprechpartner der Maßnahme Frank Feinauer
Tel.: 07931 / 58 2070
frank.feinauer@ckbm.de

Struktur- und Leistungsdaten

Anzahl der vollstationären Planbetten 447
Anzahl der ärztlichen MitarbeiterInnen 159
Gesundheits- und KrankenpflegerInnen 300
Gesundheits- und KinderkrankenpflegerInnen 46

Projektmotivation/-vorbereitung

Planungen im Vorfeld

  • Aus einer Initiative von Pflegenden und Ärztinnen/Ärzten der Notaufnahme wurde ein Projekt beantragt, das Klinikumsdirektorium stimmte dem Antrag zu und erteilte einen Projektauftrag.
  • räumliche Voraussetzungen wurden geschaffen
  • EDV-Anwendung wurde vorbereitet

Ausgangslage

  • Patientenzahlen sind gestiegen
  • kein Überblick über Behandlungsdringlichkeiten
  • kein Raummanagement
  • lange Wartezeizen für PatientInnen
  • Kommunikation zwischen pflegerischem und ärztlichem Dienst unzureichend und nicht systematisch

An der Planung beteiligte Berufsgruppen/Personen

  • Pflege
  • Ärztinnen/Ärzte
  • Schulungszentrum

Externe Projektförderung

  • keine finanzielle Unterstützung
  • mentale Unterstützung durch Jörg Krey und Peter Niebuhr / Hamburg / Deutsches Netzwerk Ersteinschätzung www.ersteinschaetzung.de

Projektumsetzung

Ziele

  • Steigerung der Versorgungsqualität der PatientInnen in der Notaufnahme (ca 23.000 PatientInnen im Jahr):
    • Verringerung der Wartezeiten
    • Risikominimierung
    • Strukturierung des Patientenstroms
    • Verbesserung der multiprofessionellen Kommunikation
  • Durch eine standardisierte und dokumentierte Ersteinschätzung erhält das Krankenhaus, die Ärztin/der Arzt und die Pflegekraft eine Rechtssicherheit. Haftungsrechtlich ist der Stellenwert des MTS dem eines Standards gleichzusetzen.

Zielgruppe

  • Pflegende der Notaufnahme

Elementare Konzeptbestandteile

  • Manchester-Triage-System (MTS): Das System zur Ersteinschätzung von PatientInnen in der Notfallaufnahme entstand 1994/95 aus der Zusammenarbeit von Ärztinnen/Ärzten und Pflegekräften der Notaufnahmen von neun Krankenhäusern in Manchester.
  • alle im Zentrum der Notaufnahme arbeitenden Pflegende werden zu MTS-AnwenderInnen geschult. Die Schulung hat den Umfang von 16 Stunden, der Inhalt gliedert sich wie folgt:
    • Einführung in das Thema
      • Geschichte der Triage
      • Unterschiedliche Methoden der Ersteinschätzung
      • Entwicklung des Systems
    • Aufbau des Systems
      • Generelle Indikatoren
      • Spezielle Indikatoren
      • Präsentationsdiagramme (50 verschiedener Beschwerdekomplexe)
      • Schmerzeinschätzung
      • Auditierung des Ersteinschätzungsprozesses
      • Methode des Risikomanagements
      • Weitere Möglichkeiten zur Prozesssteuerung im Patienten- und Raummanagement.
    • Ersteinschätzung im Massenanfall von Verletzten und Erkrankten.
    • Rechtliche Aspekte zur Einführung eines Ersteinschätzungssystems.
    • Praktische Anleitung anhand von Fallbeispielen.
  • Die Berufsgruppe der Pflegenden lenkt die Prozesse, bestimmt die Raumbelegung und bestimmt die Fachdisziplin des zu informierenden ärztlichen Dienstes.
  • auf eine Besetzung des pflegerischen Teams aus allen Fachdisziplinen wird geachtet
  • Wenn der ärztliche Leiter nicht anwesend ist, übernimmt die pflegerische Leitung die Organisationshoheit über das gesamte multiprofessionelle Team.

Verfahren

Bei Ankunft der/des Patientin/Patienten wird durch eine geschulte Pflegeperson mittels des Manchester-Triage-Systems eine Ersteinschätzung der Behandlungsdringlichkeit durchgeführt. Sie entscheidet hinsichtlich der Behandlungsreihenfolge aufgrund der Behandlungsdringlichkeit und der zu informierenden Fachrichtung des ärztlichen Dienstes. Bei Bedarf wird eine Blutprobe abgenommen und eine Verweildauerkanüle gelegt. Die PatientInnen werden über die voraussichtliche Wartezeit informiert.


    Projektverlauf

    Begonnen hat das Projekt damit, dass zwei Pflegende und zwei Oberärzte aus dem Team der Notaufnahme eine Basisschulung zur Anwendung des MTS machten. Diese schulten dann in Zusammenarbeit mit dem hauseigenen Schulungszentrum die restlichen MitarbeiterInnen. Wegen eines Trägerwechsels wurde der Beginn der Umsetzung in die Praxis zeitlich verschoben. Nach einer erneuten Schulung der pflegenden MitarbeiterInnen wurde im April 2007 mit der Umsetzung begonnen.


    Projektdauer

    Vorbereitungszeit ca 1,5 bis 2 Jahre


    Projektgruppe

    Pflegerische und ärztliche Leitung der Notaufnahme, neurologische Oberärztin, Oberarzt der internistischen Abteilung.

Projektbeurteilung

Ausgangsanalyse

keine vorhanden


Evaluation der Maßnahme

  • die Projektgruppe ist in einen ständigen Qualitätszirkel umgewandelt worden
  • Zehn Einschätzungsbögen jedes Pflegenden werden einmal im Quartal überprüft
  • nationale und internationele Abgleichung der Ergebnisse im "Deutschen Netzwerk Ersteinschätzung" (www.ersteinschaetzung.de)

Evaluationsergebnisse

97,5% der Einschätzungen erwiesen sich bei der letzten Überprüfung als richtig


Zielerreichungsgrad

100,00%


Übernahme der Maßnahmen in die Regelversorgung

01.04.2007


rückblickend besonders erfolgreich/gelungen

vertrauensvolle Zusammenarbeit des pflegerischen und ärztlichen Dienstes


rückblickend erfolglos/nicht gelungen

wünschenswert wäre eine eigenständige Leitungsstelle für die zentrale Notaufnahme im ärztlichen Dienst. 


rückblickend anders machen

nichts


förderliche Faktoren

Unterstützung seitens der Pflegedirektion, verschiedener Ärztinnen/ Ärzte und des gesamten Direktoriums.


hemmende Faktoren

Umstrukturierungen des Klinikums

Eingeführte Maßnahme

Größte Auswirkung

  • für die PatientInnen: Risikominimierung, sofortiger Erstkontakt bewirkt Sicherheit
  • für die Pflegenden: Rechtssicherheit, Professionalisierung
  • für die Ärztinnen/Ärzte: Vertrauensvolle Zusammenarbeit mit dem pflegerischen Dienst