Einarbeitungs- und Integrationskonzept am Diakonissen-Stiftungs-Krankenhaus Speyer

Das Diakonissen-Stiftungs-Krankenhaus Speyer hat ein besonderes Einarbeitungs- und Integrationskonzept für ausländische Mitarbeiter implementiert.

   
Datum 30.09.2020
Ort Diakonissen-Stiftungs-Krankenhaus Speyer gGmbH
Interviewpartner Simon Jäger, stellvertretender Pflegedirektor
Themenkategorie Säule 4
Maßnahme Einarbeitungs- und Integrationskonzept am Diakonissen-Stiftungs-Krankenhaus Speyer

Projektanlass

Das Diakonissen-Stiftungs-Krankenhaus Speyer ist ein wachsendes Krankenhaus und gehört seit dem Jahr 2020 zu den Schwerpunktversorgern in Rheinland-Pfalz. Durch seine Attraktivität gewinnt es Mitarbeiter aus der umliegenden Region und der eigenen Pflegeschule. Dies reicht jedoch nicht aus, um den wachsenden Bedarf an Mitarbeitern im Pflegebereich zu decken. Daher hat sich das Krankenhaus im Jahr 2017 dazu entschlossen, gezielt Pflegefachkräfte aus dem Ausland zu rekrutieren.

Projektumsetzung

Bei einem ersten Projekt mit vier Pflegefachkräften aus Portugal zeigte sich, dass die Integration dieser Mitarbeiter damals nicht gut gelang. Vier der fünf Fachkräfte gingen nach kurzer Zeit zurück in ihre Heimat. Mit dem Hintergrund dieser Erfahrung entwickelte man dann tragfähige Konzepte und Strukturen, um in Zukunft eine Einarbeitung für alle Beteiligten zufriedenstellend zu gestalten und dadurch langfristig Mitarbeiter aus dem Ausland gewinnen zu können.

Dazu haben sich Mitarbeiter des Diakonissen-Stiftungs-Krankenhauses zunächst detailliert in unterschiedliche länderspezifische Ausbildungsmodalitäten (z.B. Dauer der Ausbildung, Höhe der theoretischen- und praktischen Ausbildungsanteile, kulturbedingte Definition von Pflege, Arbeit und Lernen, Tätigkeiten und Aufgabengebiete in den jeweiligen Herkunftsländern) eingearbeitet, um die Situation und die Kompetenzen der ausländischen Bewerber besser einschätzen zu können. Anfänglich wurde bei der Anwerbung der Fachkräfte und der Beantragung der Visa mit Agenturen zusammengearbeitet, dies konnte zum großen Teil schon komplett aufgegeben werden.

Mitarbeiter des Diakonissen-Stiftungs-Krankenhauses veranstalten mittlerweile direkt Bewerbertreffen im Ausland und führen dort Vorstellungsgespräche sowie fachliche Assessments z.B. zur Anatomie, Pathologie sowie Notfallsituationen etc. durch. Ein transparenter Umgang mit beiderseitigen Erwartungen und Ansprüchen im Erstkontakt ist den Verantwortlichen dabei ein essenzielles Anliegen, um spätere Enttäuschungen auszuschließen.

Nach anfänglichen Erfahrungen mit italienischen Pflegekräften und Hebammen wurde schnell festgestellt, dass ein B2-Sprachnieau der Pflegekräfte dauerhaft nicht für den Klinikalltag ausreicht. Aus diesem Grund bietet das Krankenhaus heute eigene Sprachkurse in Zusammenarbeit mit einer Sprachschule in Speyer und ausländischen Sprachschulen an.

So erhalten beispielsweise zukünftige Mitarbeiter aus Albanien (ohne Einsatz einer Agentur) einen vorläufigen Arbeitsvertrag aus Deutschland und kündigen ihre Stelle im Heimatland, um dort eine Vollzeitsprachausbildung (1000 Unterrichtseinheiten bis zum Sprachniveau B2) an fünf Tagen die Woche über neun Monate durch eine albanische Sprachschule zu absolvieren. Unterstützung erhält die albanische Sprachschule dabei von der Sprachschule in Speyer durch Online-Unterricht. Sobald die Bewerber das B1-Niveau erreicht haben, wird das Visum beantragt, mit B2-Level kommen die Mitarbeiter dann nach Speyer als Pflegefachkraft in Anerkennung (mit Pflegehelfergehalt).

Bevor es jedoch weiter in das Anerkennungspraktikum geht, erhalten diese Mitarbeiter in Speyer einen weiteren verpflichtenden 3-monatigen Intensivsprachkurs mit C1-Inhalten wie beispielsweise Pflegedokumentation, Assessments, Standards etc., Alltagssprache, Redewendungen, Dialekt oder das Telefonieren. Der Sprachkurs wird durch Praxiseinsätze im Krankenhaus ergänzt.

Im Anschluss startet dann das 6-monatige Anerkennungspraktikum im Tandemsystem. Dabei erhalten erfahrene Pflegekräfte mit guten Kommunikationsfähigkeiten als Tandempartner einen standardisierten Einarbeitungskatalog, der z.B. stationsspezifische pflegerische Tätigkeiten, das Kennenlernen vorhandener Strukturen und administrativer sowie organisatorischer Abläufe, die Auffrischung von theoretischem Wissen, die Entwicklung von Verständnis für Routineabläufe und das Hospitationen in anderen Bereichen umfasst. Weiterhin werden regelmäßige Ziel- und Standortgespräche mit dem Anerkennungspraktikanten durchgeführt sowie grundsätzlich individuelle Wissenslücken oder Verständnisprobleme identifiziert und dafür flexible Lösungen gefunden. Unterstützung im Anerkennungspraktikum erhalten die Mitarbeiter zusätzlich durch eine Pflegepädagogin, Praxisanleiter und die Integrationsbeauftragte.

Die Integrationsbeauftragte unterstützt die ausländischen Mitarbeiter zusätzlich bei allen dienstlichen und privaten Problemen (z.B. auch bei Behördengängen, Telefonverträgen, Banken, Krankenkassen, Wohnungssuche, GEZ, Beantragung von Kindergeld etc.). Das Krankenhaus hält zudem für diese Mitarbeiter möblierte Wohnungen vor (eigene Immobilienverwaltung), sodass sie nach ihrer Ankunft in Deutschland direkt eine Unterbringung haben. Die Mitarbeiter haben dann ein Jahr Zeit, sich mit Unterstützung der Integrationsbeauftragten eine eigene Wohnung im Umfeld zu suchen. Nach erhaltener Anerkennung und bei eigener Wohnung und vollem Gehalt wird auch Hilfestellung bei der Familienzusammenführung gegeben. Gerade dieser Punkt wird von Anfang an transparent kommuniziert, um falsche Erwartungen zu vermeiden. Häufig kann auch erfolgreich bei der Arbeitsplatzsuche für den Ehepartner Unterstützung geleistet werden.

Projektbeurteilung

Die Einarbeitung der ausländischen Pflegekräfte hat sich durch das höhere Sprachniveau deutlich vereinfacht. Mittlerweile werden Fachkräfte aus mehreren Ländern, hauptsächlich aber aus Albanien, Italien, Kosovo, Kroatien und Serbien rekrutiert.

Insgesamt hat das Diakonissen-Stiftungs-Krankenhaus bisher 100 ausländische Fachkräfte akquiriert, von denen 35 bereits voll eingearbeitet sind und damit auch vollkommen selbstständig als Pflegefachkraft arbeiten. 24 Mitarbeiter befinden sich derzeit in Deutschland in der Sprachausbildung und weitere 39 Personen befinden sich zurzeit noch im Ausland in der Sprachausbildung bzw. im Visaprozess. Die Abbruchquote liegt insgesamt sehr niedrig bei unter fünf Prozent.

Insbesondere für die albanischen Pflegekräfte ist Weiter- und Fortbildung sehr wichtig. Sie haben sich als sehr zuverlässige und engagierte Mitarbeiter herausgestellt, was auch von den deutschen Kollegen und Ärzten anerkannt wird. Die Pflegekräfte kommen ebenfalls sehr gut bei den Patienten an, da sie sich aufgrund ihrer besonderen sprachlichen Ausbildung viel Mühe mit der Verständigung geben, häufig nachfragen, ob sie richtig verstanden haben und generell versuchen, wenig Fehler zu machen.