Daten zum Modell

   
Datum 21.02.2011
Ort Kliniken Maria Hilf GmbH, Mönchengladbach
Interviewpartner Thomas Huppers, Pflegedirektor
Themenkategorie „Neue Arbeitsteilung und Prozessgestaltung“
Maßnahme Restrukturierung der Aufgaben in den bettenführenden Stationen unter Einführung neuer Berufsgruppen
   

Name des Krankenhauses

Anschrift Kliniken Maria Hilf GmbH
Viersener Straße 450
41063 Mönchengladbach
Tel.: 02161 / 892-0
Klinikleitung Geschäftsführer
Joachim Püllen

Ärztlicher Direktor
Prof. Dr. med. Ulrich Kania

Pflegedirektor
Thomas Huppers

Webseite www.mariahilf.de
Ansprechpartner der Maßnahme Pflegedirektor
Thomas Huppers
Tel.: 02161 / 892-1196
thomas.huppers@mariahilf.de

Struktur- und Leistungsdaten – Kennzahlen 2010

Planbetten 766
Ärztinnen/Ärzte insgesamt (außer Belegärztinnen/Belegärzte) 219,8
davon Fachärztinnen/Fachärzte 107,9
Gesundheits- und KrankenpflegerInnen 457,9
Gesundheits- und KinderkrankenpflegerInnen 9,6
KrankenpflegerInnen 20,7

Eingesetzte Maßnahmen

  • Prozessänderung
  • Implementierung neuer Berufsgruppen
  • Aufgabenerledigung durchgängig neu strukturiert

Projektmotivation/-vorbereitung

Ausgangslage

  • Der Pflegedirektor hat nicht nur die Personalverantwortung im Pflege- und Funktionsdienst, sondern auch die finanzielle Verantwortung für das entsprechende Personalbudget.
  • Bei zunehmenden Expansionserfordernissen der Klinik, gleichzeitigem Ärztemangel und dem Bedürfnis, die unter starkem Arbeitsdruck stehenden Pflegekräfte zu entlasten, ist die Idee zur Umstrukturierung der Aufgabenverteilung gewachsen. Ebenso war die Erkenntnis eines  bevorstehenden Pflegepersonalmangels, insbesondere aber der Wunsch nach Qualitätsverbesserung, Ausschlag gebend für dieses Projekt.
  • Kritische Betrachtung der traditionellen Aufgabenzuordnung zu den einzelnen Berufsgruppen und Neustrukturierung nach entsprechender Analyse
  • Beginn der Maßnahme im April 2007. Seitdem wurden 77 Service-Kräfte (arbeiten 7 Tage in der Woche) und 60 Leitstellen-Mitarbeitende (arbeiten 5 bis 6 Tage in der Woche) eingestellt.


Planungen im Vorfeld

  • Konzepterstellung (Stellenbeschreibungen) für neu einzurichtende Berufe Leitstelle und Service
  • Konzepterstellung und rechtliche Absicherung für die neu zu übernehmenden Tätigkeiten des Pflegepersonals (z. B. Legen von Venenverweilkanülen, Magensonden, iv. Injektionen, Blutentnahmen, etc.)
  • Aufstockung des Personal-Budgets wegen Übernahme von Tätigkeiten aus dem ärztlichen Dienst (30.000 € je Station, die an der Umstrukturierung teilnahm)
  • Einstellung von neuem Personal: Leitstellen-Mitarbeitende und Service-Kräfte


An der Planung beteiligte Berufsgruppen/Personen

  • Entwicklung des Konzepts durch den Pflegedirektor
  • Einbezug von PDL und ausgewählten StationsleiterInnen
  • Abstimmung des Konzepts mit dem Direktorium


Externe Projektförderung

Nein

Projektumsetzung

Ziele

  • Ökonomischere Erledigung der Stationsaufgaben, da die übernehmenden MitarbeiterInnen preisgünstiger sind als die bisherigen Leistungserbringenden
  • Höhere Professionalisierung aller Berufsgruppen aufgrund der jeweiligen Spezialisierung
  • Qualifiziertere Bewältigung aller Stationsaufgaben durch spezialisierte Berufsgruppen und deren
  • höhere Motivation
  • Teamentwicklung mit unterschiedlichen Aufgaben aber gleicher Wertigkeit der Mitglieder
  • Bestmögliche Koordination des Handlungsgefüges um den PatientInnen herum und damit eine höhere Qualität und Effektivität (steigende Fallzahlen und Verkürzung der Verweildauern, höhere Patientenzufriedenheit)


Verfahren

  • Organisations- und Prozessänderungen
  • Etablierung neuer Berufsgruppen


Projektdauer

Einführung April 2007 - unbegrenzte Weiterführung

Projektbeurteilung

Maßnahmen zur Evaluation

  • Entwicklung eines jeweils berufsgruppenspezifischen Fragebogens für die Stationskoordination, Pflege, Leitstelle und Service
  • Fragebogen besteht aus Ist/Soll-Vergleich (Evaluation des Umsetzungsgrades des Konzepts) und Bewertungsfragen (Evaluation der Spezifität der Tätigkeiten der einzelnen Berufsgruppen und ggf. der Überschneidungen in gewissen Tätigkeitsbereichen)
  • Im Jahr 2009: Befragungen in allen teilnehmenden Stationen - durch Interview jeweils eines Mitarbeitenden aus jeder Berufsgruppe anhand berufsgruppenspezifischer Fragebögen
  • Teilnahme an einer Mitarbeiterbefragung durch ein externes Unternehmen (Great Place to Work Institute Deutschland)
  • Wiederholungsbefragung in allen Stationen im Jahr 2010


    Evaluationsergebnisse

    • Die interne Evaluation ergab einen hohen Umsetzungsgrad der Maßnahmen in den einzelnen Stationen. Wiederholungsbefragung ergab, dass der Grad der Umsetzung von 2009 auf 2010 weiter gestiegen ist.
    • Bei der Teilnahme am Wettbewerb „Beste Arbeitgeber im Gesundheitswesen 2009“ des Great Place to Work Institute Deutschland hat die Klinik den 2. Preis gewonnen (Einrichtungen über 500 Beschäftige) und sehr hohe Werte in der Mitarbeiterzufriedenheit erreicht.
    • Die den einzelnen Berufsgruppen zugewiesenen Aufgaben werden weitestgehend umgesetzt. Die Differenzen in einigen Tätigkeitsbereichen müssen berufsgruppenbezogen behoben werden.
    • Ergebnisqualität der meisten Aufgaben ist gestiegen.
    • Prozessabläufe sind optimiert.
    • Berufszufriedenheit ist hoch.
    • Motivation wurde gesteigert.
    • Fallzahlen sind gestiegen und die Verweildauer gesunken.

     

    Zielerreichungsgrad

    • Angestrebte Ziele wurden erreicht.

    Rückblickend besonders erfolgreich/gelungen

    • Die besondere Art der Umsetzung: Es gab keinen „Projektplan“, der im Vorfeld klinikweit mit sämtlichen Ärztinnen/Ärzten und Chefärztinnen/Chefärzten diskutiert wurde. Die Maßnahme wurde im kleinen Rahmen unter Beteiligung der Chefärztinnen/Chefärzte vorbereitet und nach Abstimmung im Direktorium umgesetzt. Die Maßnahme überzeugte durch ihre Ergebnisse, so dass sich weitere Stationen gerne anschlossen.

    Rückblickend erfolglos/nicht gelungen

    • Nichts

    Eingeführte Maßnahme

    • Einführung neuer Arbeitsgruppen innerhalb der Station und Neustrukturierung der Aufgabenzuordnung
    • Arbeitsgruppen innerhalb der Station
      • StationskoordinatorIn (Stationsleitung): Koordiniert die Arbeitsgruppen
      • Leitstelle (besetzt durch medizinische Fachangestellte): Übernimmt administrative Aufgaben für Arzt- und Pflegedienst
      • Service (keine besondere Ausbildung notwendig): Führt alle Tätigkeiten im Bereich Hotelleistungen aus
      • Pflege: Nimmt vermehrt patientennahe Tätigkeiten wahr
      • Ärztinnen/Ärzte: Diagnostizieren/therapieren PatientInnen der Organisationseinheit
    • Arbeitsgruppen zeitweilig innerhalb der Station
      • Logistik
        • Übernimmt alle Transporte von PatientInnen und Gütern
        • Im Aufbau befindlicher „Qualifizierter Patientenbegleitdienst“ für z. B. PatientInnen von und zu OP sowie Transporten, bei denen eine Pflegekompetenz erforderlich ist
        • Bettenzentrale bereitet benutzte Betten auf
      • Material- und Apothekenwirtschaft
        • Elektronisches Materialwirtschaftssystem
        • Material- und Apothekenbedarfe werden durch Versorgungsassistenten gescannt, disponiert und verräumt
      • Reinigung
        • Verantwortlich für Reinigung von Böden und Sanitäreinrichtungen (Klare Abgrenzung zum Aufgabengebiet von Service-Mitarbeitenden)
      • Physiotherapie
        • Durchführung angeordneter physiotherapeutischer Leistungen
      • Sozialdienst
        • Vorbereitung der weiterbetreuenden Maßnahmen
    • Es wurden hausinterne Aus-, Fort- und Weiterbildungen entwickelt, die auf die Aufgabenfelder der neuen Berufsgruppen (Leitstelle und Service) zugeschnitten sind. Sukzessive werden alle Mitarbeitenden in diesen Bereichen geschult. Die Schulungen sind verpflichtend für alle Mitarbeitenden.
      • Ausbildung  zur Fachkraft für Servicetätigkeiten im Krankenhaus.  4 x 1 Woche (6 Std. täglich) für tätige Service-Kräfte. Themen der Ausbildung sind u. a. Hygiene, Umgangsformen, Krankenhausküche, Leitbild der Klinik, etc.
      • Weiterbildung für die Leitstellen-Mitarbeitenden. 3 x 1 Woche (6 Std. täglich). Themen der Weiterbildung sind u. a. das Krankenhausinformationssystem, Verhalten am Telefon, Aktenführung, etc.
      • Fortbildung der Pflegekräfte im Bezug auf die Übernahme der Tätigkeiten aus dem ärztlichen Dienst werden dezentral in den Stationen durchgeführt. In Zusammenarbeit mit den ärztlichen Mitarbeitenden haben die StationskoordinatorInnen diese organisiert und durchgeführt. Die Pflegekräfte müssen Befähigungsnachweise für die Übernahme der neuen Aufgaben beibringen, die zur Personalakte kommen. Dazu wird ein E-Learning-Programm absolviert und mit einer Prüfung abgeschlossen. Parallel wird die praktische Durchführung der neuen Aufgaben, z. B. Legen einer Magensonde, einer Venenverweilkanüle, die Blutabnahme, etc. von Ärztinnen/Ärzten oder einer bereits befähigten Pflegekraft geschult, begleitet und geprüft.
    • Für sämtliche Schulungen werden nach einem Jahr Refresher-Kurse angeboten.

    Veränderungen für Berufsgruppen

    • Es wurden die neuen Berufsgruppen Leitstelle und Service geschaffen
    • Pflegepersonal wurde entlastet durch Leitstelle und Service
    • Ärztinnen/Ärzte wurden entlastet durch Pflege und Leitstelle

    Eingeführte Maßnahme in die Regelversorgung übernommen

    Einführung der Maßnahme in allen bettenführenden Stationen/Abteilungen.