Daten zum Modell

   
Datum 21.10.2014
Ort Klinikum Aschaffenburg
Interviewpartnerin Ulrike Strobel, Pflegedienstleitung
Themenkategorie „Neue Arbeitsteilung und Prozessgestaltung“
Maßnahme Einsatz von Pflegeexperten im Klinikum Aschaffenburg
   

Name des Krankenhauses

Anschrift Klinikum Aschaffenburg
Am Hasenkopf
63739 Aschaffenburg
Klinikleitung Geschäftsleitung:
Katrin Reiser

Ärztlicher Direktor:
Prof. Dr. med. Michael Freund

Pflegedienstleitung:
Ulrike Strobel
Webseite http://www.klinikum-aschaffenburg.de/
Ansprechpartner der Maßnahme Ulrike Strobel
Tel: 06021-32 20140
ulrike.strobel@klinikum-aschaffenburg.de

Struktur- und Leistungsdaten

Zahl der vollstationären Planbetten 685
Anzahl der ärztlichen MitarbeiterInnen 263
Anzahl der Gesundheits- und KrankenpflegerInnen 470
Anzahl der Gesundheits- und KinderkrankenpflegerInnen 139
Anzahl der AltenpflegerInnen 5

Projektmotivation/-vorbereitung

Ausgangslage

  • Permanente Erweiterung des Wissens und zunehmende Spezialisierung der Pflegepraxis
  • Pflegeexperten haben Spezialwissen und verfügen über langjährige Erfahrung in der Pflege
  • Spezialwissen soll im Klinikum verbreitet werden und dazu beitragen, die Pflegequalität zu sichern

Planungen im Vorfeld

  • Pflegekonferenz mit Vertretern von einzelnen Stationen wurde durchgeführt
  • Expertenstandards wurden im Hinblick auf Qualität und unter Berücksichtigung einer unveränderlichen Personalsituation in der Pflege gesichtet
  • Ergebnisorientiertes PflegeAssessment ePA wurde etabliert
  • Weitere Bewertungsinstrumente z.B. Risikoskalen für Pflegeprobleme wurden als Screeninginstrument bei Aufnahme der Patienten eingesetzt

Am Projekt beteiligte Berufsgruppen/Personen

  • Pflegedienstleitung
  • Assistenten der Pflegedienstleitung
  • Stationsleitungen
  • Pflegeexperten aus den Bereichen

Externe Projektförderung und Kooperationen

  • Nein

Projektumsetzung

Ziele

  • Erwerb von Spezialwissen im Klinikum und die Verbreitung des Wissens
  • Einrichtung von Qualitätszirkeln zur Sicherung der Pflegequalität
  • Optimierung der Erlöse für pflegerelevante Sachverhalte

Projektdauer

  • Seit 2010; stetige Fortschreibung und Übernahme in den Regelbetrieb

Eingeführte Maßnahmen

  • Etablierung von 25 Pflegeexperten mit Funktionsbeschreibungen in folgenden Bereichen:
    • Dekubitusprophylaxe/Wundmanagement
    • Schmerzmanagement
    • Sturzprophylaxe
    • Kontinenzförderung
    • Pflegeüberleitung
    • Kinästhetik
    • Onkologie
    • Ernährung
    Ein Modul zur internen Qualifikation zum Thema Demenzbeauftragte ist mit 2014 umgesetzt
  • Erstellung interner Pflegestandards durch Spezialisten
  • Interne Pflegekonsildienste werden von Pflegeexperten auf Anforderung durchgeführt
  • Diese Leistungen werden exakt erfasst und entweder während der Dienstzeiten ausgeführt, so dass evtl. entstehende kurzzeitige personelle Engpässe auf den Stationen von den Kollegen mitgetragen werden oder nach Dienstende als Mehrarbeit durchgeführt und in Abstimmung mit dem Pflegeexperten in Freizeit ausgeglichen oder ausgezahlt.
  • Beratung und Anleitung von Kollegen (Wissensvermittlung) bei Pflegeproblemen, direkt in der Praxis, am Krankenbett
  • Pflegevisiten werden derzeit flächendeckend eingeführt, sind bereits obligatorisch in der Onkologie seit 2010
  • Etablierung der Pflegekonferenzen: Stationsleitungen treffen sich regelmäßig nach Plan mit den jeweiligen Pflegeexperten

Auswirkungen der Neuerungen auf die Berufsgruppen und das Klinikum

  • Je nach Themengebiet führte die Etablierung der Pflegeexperten zu einer erweiterten Delegation von Aufgaben, z.B. beim Schmerzmanagement. Dies führte bei den entsprechenden Mitarbeitern u.U. zu Einzeldelegationen, die in Stellenbeschreibungen und in Abstimmung mit der betroffenen Ärzteschaft über Befähigungsnachweise festgehalten wurden.
  • Die Nachfrage der Pflegeexperten bei den Medizinern bzw. die Delegation nimmt in der Menge zu, z.B. beim Wundmanagement. Die Wundmanagerin, welche zeitgleich als Assistentin der PDL tätig ist, verwendet ca. 50% ihrer Arbeitszeit auf Wundkonsile und das Management der übrigen Pflegeexperten. Die Pain Nurse ist mittlerweile zu 100% von ihrer Stationstätigkeit freigestellt und widmet sich ausschließlich dem Schmerzmanagement im Klinikum.
  • Zusammenarbeit zwischen Pflege und Ärztlichem Dienst bei Themen, die bislang vorwiegend den Medizinern vorbehalten waren, z.B. beim Ernährungsmanagement
  • Der Status der Pflege im Klinikum ist durch den weitreichenden Einsatz der Experten merklich gestiegen
  • Die Pflegemitarbeiter des Klinikums werden zur Weiter- / Fortbildung motiviert und angehalten. Die Kosten übernimmt dabei der Arbeitgeber. Die Mitarbeiter werden für diese Bildungsmaßnahmen freigestellt. Die zusätzlich erworbenen Qualifikationen können jedoch im Tarifvertrag nicht vergütungsrelevant abgebildet werden.

Erforderliche neue Berufsprofile

Die Qualifikation der Pflegeexperten analog der Expertenstandards wurde erlangt z.T. durch Fachweiterbildungen, z.T. durch Fortbildungen

  • Z.B. Weiterbildung Pflege in der Onkologie nach DKG-Empfehlung, Wundexperte ICW, Dekubitusprophylaxe Expertenstandard und Ernährungsmanagement in mehrwöchigen Qualifizierungsmaßnahmen am Centrum für Kommunikation–Information–Bildung (cekib) am Klinikum Nürnberg

Projektbeurteilung

  • Maßnahmen zur Evaluation

    • Die flächendeckenden und routinemäßigen Pflegevisiten werden als patientenbezogene Evaluation betrachtet und bewertet
    • Durchführung von internen Audits
    • Teilnahme an der externen Qualitätssicherung im Bereich Dekubitus
    • Auswertung von Sturzereignissen auf den Stationen
    • Runder Tisch mit externen Pflegeeinrichtungen zur Evaluation der Entlassung und Pflegeüberleitung  wurde durchgeführt
    • Entwicklung eines Evaluationsbogens für die Entlassung der Patienten

  • Evaluationsergebnisse

    • Die anfänglich gesetzten Ziele wurden erreicht: Pflegeexperten wurden erfolgreich eingeführt. An dem Modell der Pflegeexperten wird dennoch ständig weitergearbeitet, durch die Entwicklung neuer Ziele und deren Umsetzung.
    • Pflegevisiten sind bereits oder werden noch flächendeckend eingeführt, die Pflegekonferenzen stellen sicher, dass alle pflegerelevanten Themen die notwendige Beachtung erhalten
    • Die Pflegeüberleitung zeigt laut externer Pflegeeinrichtungen positive Effekte bei den Patienten
    • Pflegeexperten und auch Pflegevisiten finden großen Anklang bei den Patienten