Daten zum Modell

   
Datum 04.04.2012
Ort Klinikum Frankfurt (Oder) GmbH
Interviewpartnerin Dr. Petra Wilke, Chefärztin Zentrale Notaufnahme
Themenkategorie „Neue Arbeitsteilung und Prozessgestaltung“
Maßnahme Ersteinschätzung in der Zentralen Notaufnahme
   

Name des Krankenhauses

Anschrift Klinikum Frankfurt (Oder) GmbH
Müllroser Chaussee 7
15236 Frankfurt (Oder)
Klinikleitung Geschäftsführer
Mirko Papenfuß

Ärztlicher Direktor
Thomas Funk

Pflegedirektor
Dr. rer. medic. Michael Ossadnik
Webseite www.klinikumffo.de
Ansprechpartner der Maßnahme Dr. Petra Wilke
Chefärztin Zentrale Notaufnahme
petra.wilke@klinikumffo.de

Struktur- und Leistungsdaten – Kennzahlen 2011

Planbetten 835
PatientInnen stationär 27.867
Ärztinnen/Ärzte insgesamt (außer Belegärztinnen/Belegärzte) 229,6
Gesundheits- und KrankenpflegerInnen 408,5
Gesundheits- und KinderkrankenpflegerInnen 37,9
KrankenpflegerInnen 13,3
PflegehelferInnen 1,8

Projektmotivation/-vorbereitung

Ausgangslage

  • jährliche Anstiegsraten von 1.500 PatientInnen/Jahr
  • unstrukturierte, nicht standardisierte Ersteinschätzung
  • Unübersichtlichkeit der Abläufe und Behandlungsdringlichkeit
  • rudimentäre juristische Dokumentation
  • fehlender Schmerzstandard
  • eingeschränkte und mit hohem Personalressourcen verbundene Datenevaluierung
  • hohe Anzahl an Patientenbeschwerden (Wartezeit und Aufenthaltsdauer)
  • Übergabeproblematik Rettungsdienst (Voralarmierung)
  • fehlende Transparenz und Sicherstellung der Wertschöpfungskette
  • defizitäre Versorgung durch fehlende interdisziplinäre, leitlinienkonforme Standardvorgehensweisen (SOPs) und Personal-Rotation
  • Kommunikationsdefizite und fehlende Übersicht
  • eingeschränkter Ressourceneinsatz

Planungen im Vorfeld

  • Geschäftsführung
  • Chefärztin Zentrale Notaufnahme

Am Projekt beteiligte Berufsgruppen/Personen

  • Ärztinnen/Ärzte
  • Pflegekräfte

Externe Projektförderung und Kooperationen

  • nein

Projektumsetzung

Ziele

  • Es wurden drei Zielbereiche mit je eigenen Anforderungen definiert:
    • Anforderungen Risikomanagement:
      • Validierte, standardisierte symptomorientierte 5-Punkt-Ersteinschätzung der Behandlungspriorität direkt nach administrativer Aufnahme
      • Juristisch verwertbare Dokumentation (Behandlungspriorität, Vitalparameter)
      • klinische Risikohinweise/Warnfunktionen (z.B. pathologische Vitalparameter)
      • Validierung
      • zentrales Monitoring
      • symptomorientierte Pfadprofile
    • Anforderungen Patientenversorgung:
      • Zeitgerechte Versorgung (Behandlungsdringlichkeit)
      • Schmerzstandard/Schmerzevaluierung
      • Klinische Pfadanbindung zur symptomorientierten Ersteinschätzung
      • Leitliniengerechte, interdisziplinäre SOPs (Integration in die klinischen Pfade)
      • ubiquitäre Verfügbarkeit der SOPs (EDV-systemunterstützt, klinische Pfade)
      • Dokumentation (Diagnostikabläufe etc.)
    • Erfassung von Kennzahlen / Prozessanalyse:
      • Prozesszeiten
      • Erfassung von vorgegebenen Zeitüberschreitungen
      • Ressourcen (Konsildienste, Funktionsdiagnostik, Labor, Bildgebung)
      • Validierungen (vor/nach-Zustand)
      • Case-Mix
      • Einweiserstatistik

Projektdauer

  • Seit Anfang 2009

Projektbeurteilung

Maßnahme zur Evaluation

  • Die Behandlungspfade der Notaufnahme wurden mehrfach ausgewertet, in Reviews analysiert und konsentiert angepasst.
  • Monatlich wurden randomisiert 2% aller PatientInnen durch die pflegerischen Ersteinschätzungs-Beauftragten auf Validität und vollständige Dokumentation evaluiert (verwendete Diagramme/Indikatoren/Dokumentation).
  • Zusätzlich erfolgte ärztlicherseits jährlich eine Auswertung von 2.300 PatientInnen (Fallzahl eines Monats), inwieweit die Ersteinschätzung pflegerischerseits mit dem ärztlichen Untersuchungsbefund sowie der Aufnahmediagnose und der daraus resultierenden klinischen Behandlungsdringlichkeit korrelierte. Die Auswertung ergab unter Kombination von Manchester Triage System/Emergency Severity Index eine Sensitivität von 96% sowie eine Spezifizität von 99%.
  • Monatlich werden Patientenbefragungen durchgeführt. Die Anzahl der Patientenbeschwerden ging von bis zu drei pro Tag auf 0,5 pro Monat zurück.

Rückblickend besonders erfolgreich/gelungen

  • Die Behandlungsqualität in der Zentralen Notaufnahme konnte nachweisbar erhöht werden.
  • Die Prozesse konnten in sinnvoller Weise verändert werden.
  • Die Motivation der MitarbeiterInnen wurde deutlich verbessert.
  • Die Teambildung ist sehr erfolgreich.

Rückblickend erfolglos/nicht gelungen

  • Das Tempo der Veränderungen war anfangs etwas zu hoch.
  • Um die MitarbeiterInnen aufgrund der vielen Veränderungen nicht zu überfordern, sollte man das Veränderungstempo im Auge behalten.

Eingeführte Maßnahme

  • Entwicklung eines EDV-Programms, welches auf einem als Einstiegs-Score verwendeten symptomorientierten Ersteinschätzungssystem basiert mit direkter Anknüpfung von leitliniengerechten Behandlungsempfehlungen durch flexible patientenorientierten Behandlungspfaden als prozessorientiertes Instrument.
  • Umgesetzt wurde ein 5-stufiges Ersteinschätzungssystem mit hoher Sensitivität, Spezifität, Reliabilität und Validität. Die klinischen Behandlungspfade ermöglichen eine Empfehlung des standardisierten Vorgehens. Sie ermöglicht die Abbildung und Dokumentation der Behandlungspfadschritte nach gegebenem Muster, bei völligem Erhalt der Therapiefreiheit der Ärztin/des Arztes.
  • Neben dem ursprünglich an das Manchester Triage System (MTS) angelehnten Ersteinschätzungsverfahrens wurde die standardmäßige Erhebung von Vitalparametern implementiert und mit der Behandlungspriorität verknüpft (Emergency Severity Index (ESI)).
  • Etablierung eines Schmerzstandards in der Ersteinschätzung: Analgetika-Applikation im Rahmen der ärztlichen Delegation durch examinierte Pflegekräfte.