Daten zum Modell

   
Datum 21.02.2011
Ort Märkische Kliniken GmbH – Klinikum Lüdenscheid
Interviewpartnerin Sabine Peer, Leitung Case Management
Themenkategorie „Neue Arbeitsteilung und Prozessgestaltung“
Maßnahme Einführung Case Management
   

Name des Krankenhauses

Anschrift Märkische Kliniken GmbH – Klinikum Lüdenscheid
Paulmannshöher Straße 14
58515 Lüdenscheid
Klinikleitung Verwaltungsdirektor
Steffen Kusserow

Leitender Ärztlicher Direktor
Prof. Dr. Rolf Larisch

Pflegedirektor
Karlfried Hadem
Webseite www.maerkische-kliniken.de/Klinikum/Startseite/default.htm
Ansprechpartner der Maßnahme Sabine Peer, MaHM
Dipl. Pflegewirtin, Case Managerin (DGCC e.V.)
Tel.: 02351 / 462051 oder 4665400
Fax: 02351 / 463219
sabine.peer@klinikum-luedenscheid.de

Struktur- und Leistungsdaten – Kennzahlen 2009

Anzahl der vollstationären Planbetten 979
Ärztinnen/Ärzte insgesamt 249,3 VK
Gesundheits- und KrankenpflegerInnen 378,7 VK
Gesundheits- und KinderkrankenpflegerInnen 52,1 VK

Eingesetzte Maßnahmen

  • Expertenstandard „Entlassmanagement“
  • Teilnahme Case ManagerIn an den Stationsvisiten/Fallbesprechungen
  • Monitoring der Verweildauern
  • Installation Meldeverfahren für PatientInnen mit nachstationärem Versorgungsbedarf

Projektmotivation/-vorbereitung

Ausgangslage

  • Umsetzung des  Projektes „Kostensenkung und Ertragssteigerung“
  • Das Teilprojekt „Entlassmanagement/ Case Management“ stellt ein Teilprojekt dar
  • Sicherstellung der medizinischen und pflegerischen Ergebnisqualität durch ein verbessertes Schnittstellenmanagement
  • Wirtschaftliche Gründe: bestmögliche Patienten-/Klientensteuerung durch einen kontrollierten Ressourceneinsatz


Planungen im Vorfeld

  • Einführung erfolgte im Projektstatus, gesamtbetriebliche Einführung auf der Systemebene
  • Unterstützung der GF zwingend erforderlich, erforderliche Mittel müssen zur Verfügung stehen
  • Etablierung in aufgeschlossenen Abteilungen
  • Schaffung von Akzeptanz:
    • Klarer Auftrag
    • Schaffung der entsprechenden Strukturen
  • Bei Auswahl der Case ManagerIn achten auf
    • formale Autorität
    • fachliche Kompetenz
  • betriebsinterne persönliche und fachliche Unterstützung der Case ManagerIn
  • Unterstützung des Case Managements durch ärztliche Leitung sicherstellen
  • Kosten und Nutzen müssen darstellbar sein
  • Ansiedlung von CM muss geklärt werden (Schutz der Case ManagerIn)


An der Planung beteiligte Berufsgruppen/Personen

  • Pflegedirektion
  • Stationsleitungen
  • ärztlicher Dienst


Externe Projektförderung

Nein

Projektumsetzung

Ziele

  • Ziele CM:
    • Sicherstellung der medizinischen und pflegerischen Ergebnisqualität durch Verbesserung der Schnittstellenproblematik
    • Aufrechterhaltung von ausreichenden Versorgungsstrukturen durch die Vermeidung von Unter-, Fehl- und Überversorgung im Rahmen eines optimierten Prozessmanagements
    • Aufbau von kostengünstigen Therapiekorridoren, durch Nutzung von Synergieeffekten und durchdachten Behandlungsprozessen
    • Erweiterung von Problemlösungskapazitäten
    • Bündelung von Ressourcen mit effizienterer Aufgabenerfüllung
    • Überwindung von Ressortdenken
    • Transparenz im Leistungsangebot
    • Vermeidung unnötiger Wiederaufnahmen (Re-Hospitation)
    • Sicherheit schaffen für PatientInnen und Angehörige
    • Optimierung der Zusammenarbeit mit den Kooperationspartnern
    • zeitnahe Entlassungen anstreben (MVD -10%)
    • Kostenreduzierung durch Synergieeffekte
    • mit einem frühzeitigen Assessment, sowie Beratungs-, Schulungs- und Koordinationsleistungen dazu beitragen, eine Versorgungskontinuität herzustellen
  • Ziele aus Sicht der PatientInnen:
    • Transparenz bezüglich der Entlassplanung (Art der Entlassung, Termin..) für die PatientInnen und andere, die am Prozess beteiligt sind
    • Koordination diagnostischer und therapeutischer Maßnahmen
    • Förderung von Patientenorientierung und Patientenpartizipation
    • verbesserten Zugang der PatientInnen zu den Versorgungsleistungen
  • Ziele aus Sicht des Klinikums:
    • Verweildauerverkürzung durch frühzeitige Entlassplanung
    • Verweildauerreduzierung durch verbesserte Abstimmung
    • Aufbau einer Belegungs- und Leistungssteuerung
    • Erlössicherung durch verbesserte DRG-Dokumentation
    • Einsparung durch Vermeidung von Doppel- und Fehlbehandlungen
    • Vermeidung von Wiederaufnahmen durch Vernetzungsleistungen
    • Optimierung der Zusammenarbeit mit EinweiserInnen!


Verfahren

  • Durchführung eines Assessments bei PatientInnen
  • Monitoring der Verweildauern
  • Durchführung von Patienten- und Angehörigengesprächen im Hinblick auf soziale Belange und des poststationären Behandlungsbedarfs
  • Organisation der poststationären Behandlung
  • Überleitung in die poststationäre Behandlung
  • Abstimmung mit den niedergelassenen Ärztinnen/Ärzten und ambulanten sowie stationären NachsorgerInnen


Projektdauer

Einführung ab 2005


Projektgruppe

Pflegedirektion, Stationsleitungen, ärztlicher Dienst, Case Management

Projektbeurteilung

Maßnahmen zur Evaluation

  • ½ jährliche Auswertungen des Case Managements zur Verweildauereinsparung und Kosteneffizienz
  • Zufriedenheitsanalyse der Klinikdirektoren
  • Nachstationäre Befragung der EinweiserInnen/Niedergelassenen, PatientInnen/Angehörigen, nachsorgenden Einrichtungen wie Altenpflegeheim, Hospiz und ambulante Pflegedienste
  • Patientenbefragungen


Evaluationsergebnisse

  • im Durchschnitt können pro Abteilung ca. 2 – 3 Tage Verweildauer pro Fall eingespart werden
  • die durchschnittliche Bewertung der Abteilung Case Management durch die Klinikdirektoren lag bei 1,6
  • „ambulant vor stationär“ = 70 % der Fälle konnten mit entsprechender Versorgungsstruktur in die Häuslichkeit entlassen werden, demgegenüber sind 12% der Fälle in stationäre Einrichtungen wie Altenpflegeheime entlassen worden
  • Ergebnisse der Patientenbefragung im Oktober 2009 (n = 418)
    • 82% der befragten PatientInnen gaben an, dass sie über die Entlassung rechtzeitig informiert wurden
    • 91% der befragten PatientInnen gaben an, dass ihnen ausreichend Medikamente/Verbandsmaterial bis zum nächsten Werktag mitgegeben wurde
    • 92% der befragten PatientInnen gaben an, dass ihnen die Entlassung rechtzeitig mitgeteilt wurde und eine rechtzeitige und ausreichende Beratung erfolgte
    • 84% der befragten PatientInnen gaben an, dass sie über die Schritte der Entlassplanung ausreichend/rechtzeitig informiert wurden
    • 94% der befragten PatientInnen gaben an, dass sie sich in einer ähnlichen Situation erneut an das Case Management wenden würden

Zielerreichungsgrad

  • Angestrebte Ziele wurden erreicht
  • Die eingeführten Maßnahmen wurden komplett in die Regelversorgung überführt.

Rückblickend besonders erfolgreich/gelungen

Die komplette Umsetzung der Einführung des Case Managements ist gelungen.

Rückblickend erfolglos/nicht gelungen

In einigen Abteilungen gibt es noch Optimierungspotential, obgleich auch dort die Einführung des Case Managements erfolgreich war.

Eingeführte Maßnahme

  • Case Management als zentrale Dienstleistung im Krankenhaus führt zu Kosteneinsparungen im Krankenhaus.
  • Case Management lohnt sich nicht nur in Hinblick auf ein qualitativ hochwertiges Entlassmanagement, sondern auch aus wirtschaftlicher Sicht.
  • Neben der hohen Zufriedenheit von PatientInnen, Angehörigen, EinweiserInnen und der klinischen Fachabteilungen, sind eine Entlastung der Pflege und der Ärztinnen/Ärzte, eine pünktliche Entlassung und die Vermeidung von Wiederaufnahmen durch Sicherstellung einer bedarfsgerechten poststationären Versorgung als Beitrag des Case Managements zur Wertschöpfung zu nennen.
  • Das Case Management ist eine multiprofessionelle Aufgabe, in der jede Berufsgruppe ihre inhaltlichen Qualitätsstandards einbringen muss.
  • Langfristig kann nur eine enge Kooperation und Abstimmung zwischen allen Berufsgruppen und den Sektoren zu einer befriedigenden Lösung führen, denn ein Case Management, das nur auf die Senkung der Verweildauer zielt, greift betriebs- und volkswirtschaftlich gesehen zu kurz.
  • Insbesondere für chronisch Kranke, hochbetagte und pflegebedürftige sowie multimorbide PatientInnen muss eine tragfähige Perspektive im Rahmen der sektorenübergreifenden Versorgung erarbeitet werden. Nur so kann die wiederholte und zum Teil vermeidbare Inanspruchnahme von Gesundheitsleistungen reduziert werden

Publikation der Maßnahme

  • Peer, S.: Geschärfter Blick für das Ganze. Krankenhaus umschau 1/2007, S. 32-34
  • PEER, S. (2006). Möglichkeiten der Prozessoptimierung durch Case Management bei der Versorgung der Patienten im Krankenhaus. In: Dieffenbach, S., et al. (Hrsg.). Management Handbuch Pflege. Heidelberg: Economica Loseblattausgabe (Grundwerk).