Implementierung einer radioonkologischen Pflegeberatungsambulanz

In der Klinik für Strahlentherapie und Spezielle Onkologie der Medizinischen Hochschule Hannover wurde auf Initiative der Geschäftsführung Pflege eine radioonkologische Pflegeberatungsambulanz eingerichtet. Dort werden alle Patienten mit malignen Tumorerkrankungen obligatorisch von einer Fachpflegekraft für Onkologie in pflegerelevanten Punkten ihrer Erkrankung und Behandlung beraten.

   
Datum 06.08.2014
Ort Medizinische Hochschule Hannover (MHH) Klinik für Strahlentherapie
Interviewpartnerin Heike John, Fachpflegekraft für Onkologie, Palliative Care
Themenkategorie „Neue Arbeitsteilung und Prozessgestaltung“
Maßnahme Implementierung einer radioonkologischen Pflegeberatungsambulanz
   

Projektanlass

Die Patienten der Klinik für Strahlentherapie und Spezielle Onkologie erhalten zum Großteil eine ambulante Behandlung bei hochkomplexen Erkrankungen. Die strahlentherapeutische Behandlung der Patienten hat oft starke Nebenwirkungen. Nach subjektivem Eindruck einer Pflegekraft der Station, die sich in der Weiterbildung zur Fachpflegekraft Onkologie und Palliative Care befand, reduzierten sich bei engerer Führung der Patienten die Nebenwirkungen und die Compliance verbesserte sich. Nach einer Bedarfsanalyse wurde für dieses Patientenklientel ein besonderer Bedarf an Information und Unterstützung aufgezeigt.

Projektumsetzung

Um die Versorgungslücke bei den Patienten zu belegen sowie zur späteren geplanten Qualitätssicherung und zum Qualitätsnachweis der geplanten Maßnahme wurden Recherchen inklusive umfassender Analyse der Patientenakten und Patientenbefragungen mittels Fragebogen durchgeführt. Anschließend wurden ein Pflegekonzept und Pflegeempfehlungen nach wissenschaftlichen Kriterien aufgestellt. Zum interprofessionellen Informationsaustausch im Behandlungsteam dient das bestehende Dokumentationssystem. Zudem wurde während der Projektphase ein Dokumentationssystem entwickelt um Stammdaten der Patienten, Häufigkeit und Dauer  der Beratung, Ressourcen (soziale Coping) und Symptomatiken zu erfassen. Ein Patientenfragebogen wurde entwickelt, um die Patientenzufriedenheit mit dem Angebot der Pflegeberatung zu messen.

Bereits vor Inbetriebnahme der Pflegeberatungsambulanz wurde mit der Datensammlung begonnen. Beratungsleistungen erhielten dann ab September 2012 obligatorisch sämtliche Patienten der Klinik für Strahlentherapie mit malignen Tumorerkrankungen durch eine Fachpflegkraft für Onkologie und Palliative Care.  Die radioonkologische Pflegeberatung ersetzt dabei ausdrücklich nicht das Arztgespräch, sondern reduziert den Beratungsaufwand bei Ärzten und medizinisch-technischen RadiologieassistentInnen (MTRA). In der Pflegeberatung werden nur pflegerelevante Themen mit den Patienten besprochen, wie beispielsweise die spezielle Haut- und Schleimhautpflege oder der Umgang mit Ängsten.

Projektbeurteilung

Im Patientenfeedback gaben 86% eine Linderung der Nebenwirkungen der Strahlentherapie und 78% eine Reduktion der seelischen Belastung durch die Leistungen der Pflegeberatung an. Nahezu alle Patienten fanden das Angebot hilfreich und würden es weiterempfehlen.

In der Medizinischen Hochschule Hannover wurde eine Versorgungslücke bei Patienten mit strahlentherapeutischer Behandlung erkannt, die durch ein zukunftsweisendes innovatives Pflegemodel geschlossen wurde.  Die Geschäftsführung Pflege hat auf Initiative der Pflege einen neuen Arbeitsbereich geschaffen, der Fachpflege entsprechend ihrer angedachten Kompetenzen nutzt und als Grundlage voraussetzt. Die Pflegeberatungsambulanz bedeutet eine Verbesserung der Behandlungsqualität für die Patienten in der Klinik für Strahlentherapie und Spezielle Onkologie, die sich im onkologischen Umfeld der MHH herumgesprochen hat. Durch das zusätzliche Angebot der Pflegeambulanz ist es bereits zum Patientenzuwachs in der Strahlentherapie gekommen.
Derzeit erfolgt noch keine Finanzierung der Leistungen über die GKV.