Daten zum Modell

   
Datum 06.08.2014
Ort Medizinische Hochschule Hannover (MHH) Klinik für Strahlentherapie
Interviewpartnerin Heike John, Fachpflegekraft für Onkologie, Palliative Care
Themenkategorie „Neue Arbeitsteilung und Prozessgestaltung“
Maßnahme Implementierung einer radioonkologischen Pflegeberatungsambulanz
   

Name des Krankenhauses

Anschrift Medizinische Hochschule Hannover
Carl-Neuberg-Str. 1
30625 Hannover
Klinikleitung Präsident:
Prof. Dr. med. Christopher Baum

Vizepräsident:
Dr. med. Andreas Tecklenburg

Kommissarisches Präsidiumsmitglied für das Ressort Wirtschaftsführung und Administration:
Michael Born

Direktor der Klinik für Strahlentherapie und Spezielle Onkologie:
Prof. Dr. med. Hans Christiansen

Geschäftsführung Pflege:
Dipl. Pflegewirtin Iris Meyenburg-Altwarg
Dipl. Pflegewirtin Birgit Hartmann
Webseite http://www.mh-hannover.de/
http://mh-hannover.de/28165.html
Ansprechpartner der Maßnahme Heike John
Tel: 0511-532 3587
John.Heike@mh-hannover.de

Struktur- und Leistungsdaten

Zahl der vollstationären Planbetten 1.520
Anzahl der ärztlichen MitarbeiterInnen 1.297
Anzahl der Gesundheits- und KrankenpflegerInnen, gesamt 1.474
Anzahl der Gesundheits- und KinderkrankenpflegerInnen 368

Projektmotivation/-vorbereitung

Ausgangslage

  • Patienten der Klinik für Strahlentherapie und Spezielle Onkologie erhalten zum Großteil eine ambulante Behandlung bei hochkomplexen Erkrankungen.
  • Die Behandlungen haben oft starke Nebenwirkungen
  • Eine Mitarbeiterin der Station (in Weiterbildung zur Fachpflegekraft Onkologie, Palliative Care) hat festgestellt, dass sich bei engerer Führung der Patienten deren Compliance verbessert und in der Folge die Nebenwirkungen reduzieren.
  • Daraus wurde für dieses Patientenklientel ein besonderer Bedarf an Information und Unterstützung abgeleitet

Planungen im Vorfeld

  • Um die Versorgungslücke bei den Patienten zu belegen, wurden Recherchen an Patientenakten durchgeführt.
  • Verfassen eines Pflegekonzepts / Pflegeempfehlungen nach wissenschaftlichen Kriterien
  • Zur geplanten begleitenden Datenerfassung wurde ein Dokumentationssystem entwickelt (z.B. Ängste, Nebenwirkungen, soziale Belastung, Fatique etc.)

Am Projekt beteiligte Berufsgruppen/Personen

  • Projektgruppe (zunächst für ein Jahr): Klinik für Strahlentherapie (Pflegemitarbeiter, Stationsleitung Pflege, Assistenzärztin), Sozialdienst, Geschäftsführung Pflege

Externe Projektförderung und Kooperationen

  • Teilförderung der Projektphase durch Florence.e.V. (Wissenschaftliche Projekte in der Pflege)

Projektumsetzung

Ziele

  • Beraten, anleiten und informieren von Patienten nach wissenschaftlichen Erkenntnissen
  • Wissenserweiterung im Klinikum für Strahlentherapie
  • Übernahme der anfänglichen Projektstruktur in die Regelversorgung
  • Entwicklung von Assessmentinstrumenten
  • Evaluation der Maßnahme
  • Entwicklung von Kommunikationsstrukturen im multiprofessionellen Team
  • Öffentlichkeitsarbeit

Projektdauer

  • Projektstart im August 2012 mit einjähriger Projektphase
  • Seit September 2013 in der Regelversorgung

Projektbeurteilung

Eingeführte Maßnahmen

  • Schaffung einer radioonkologischen Pflegeberatungsambulanz (Implementiert als MVZ)
  • Besetzung der Pflegeberatungsambulanz sowie deren Vertretung mit einer Fachpflegekraft für Onkologie, Palliative Care
  • Festlegung der Pflegeberatung als obligatorischen Termin für alle Patienten mit malignen Tumorerkrankungen (Ausgeschlossen: Ganzkörperbestrahlung, pädiatrische Patienten)

Auswirkungen der Neuerungen auf die Berufsgruppen und das Klinikum

  • Beratungsaufwand der Ärzte sinkt, führen Diagnose-/Aufklärungsgespräch
  • Beratungsaufwand der medizinisch-technischen RadiologieassistentInnen (MTRA) sinkt
  • Medizinische und Funktionsberufe können sich mehr auf ihre Kernkompetenzen konzentrieren
  • Pflegerelevante Themen werden in der Pflegeberatungsambulanz besprochen (z.B. Erhalten der Markierung beim Duschen, richtiges Mundspülen, Umgang mit Ängsten etc.)
  • Zusätzliche Kompetenzentwicklung in der Klinik im Bereich des pflegerischen Umgangs mit den Patienten

Erforderliche neue Berufsprofile

  • Fachpflegekraft für Onkologie, Palliative Care

Maßnahmen zur Evaluation

 

  • Entwicklung und Verwendung eines Dokumentationssystems, begleitender Datenerfassung, Patientenfeedbackbogens
  • Datenerfassung startete vor Inbetriebnahme der Beratungsambulanz, wurde im laufenden Projekt fortgeführt
  • Auswertung von insgesamt 683 Beratungskontakten

Evaluationsergebnisse

  • Von 344 Patienten, welche eine obligatorische Erstberatung erhielten (Beratungsaufwand ca. 30 Min.), nahmen 133 Patienten (39%) auf eigenen Wunsch mindestens eine Folgeberatung in Anspruch
  • 80 Patienten (23%) nahmen 3 und mehr Termine wahr
  • 86% der Patienten gaben an durch die Pflegeberatung eine Linderung der Nebenwirkungen der Strahlentherapie erfahren zu haben
  • 78% empfanden eine Reduktion der seelischen Belastung
  • Nahezu alle Patienten (98,5%) fanden das Angebot hilfreich und würden es weiterempfehlen.148 von 150 befragten Patienten fanden das Angebot hilfreich bzw. sehr hilfreich

Rückblickend besonders erfolgreich/gelungen

  • Implementierung eines Pflegebereichs, der auf vielfältige Art positiv für die Patienten ist
  • Es wurde eine Versorgungslücke erkannt, die durch ein zukunftsweisendes innovatives Pflegemodel geschlossen wurde
  • Die Geschäftsführung Pflege, MHH hat auf Initiative von Mitarbeitern der Pflege einen neuen Arbeitsbereich geschaffen, der Fachpflege entsprechend ihrer angedachten Kompetenzen nutzt und als Grundlage voraussetzt
  • Einbindung der Geschäftsführung in das Projekt und Genehmigung der Pflegeambulanz durch die Geschäftsführung trotz fehlender Honorierung

Rückblickend erfolglos/nicht gelungen

  • Derzeit erfolgt noch keine Finanzierung der Leistung über die GKV.

Zusammenfassend größte Veränderungen/Auswirkungen durch die eingeführten Maßnahmen

  • Erhöhung der Behandlungsqualität und Patientensicherheit in der Klinik für Strahlentherapie und Spezielle Onkologie
  • Zusätzliches Angebot der Pflegeambulanz führte bereits zu Patientenzuwachs
  • Durch diese Arbeit wird sehr eindringlich belegt, dass die (Fach)Pflege für die Patientenversorgung und auch für die Wirtschaftlichkeit des Hauses sowohl notwendig als auch von großem Nutzen sein kann