Einführung Patientenmanagement

Im Städtischen Klinikum Karlsruhe gGmbH wurde ein zweistufig konzipiertes, klinisches Patientenmanagement eingeführt. Mithilfe dessen wird die Optimierung und Koordination aller zur Patientenversorgung notwendigen Prozesse erreicht.

   
Datum 04.03.2011
Ort Städtisches Klinikum Karlsruhe gGmbH
Interviewpartner Josef Hug, Pflegedirektor
Themenkategorie „Neue Arbeitsteilung und Prozessgestaltung“
Maßnahme Einführung Patientenmanagement
   

Projektanlass

Ziel ist es, eine Reorganisation der primärversorgungsbezogenen Prozesse zu erreichen. Hierzu werden alle quantitativen und qualitativen Belegungsanforderungen einer Abteilung besser mit den vorhandenen personellen und technischen Ressourcen abgestimmt und die patientenbezogenen Belange stärker bei der Stationsorganisation berücksichtigt.
Durch die Bündelung dieser administrativen Organisationssaufgaben können die Ärzte und das direkt in der Patientenversorgung arbeitende Pflegepersonal von bestimmten Tätigkeiten entlastet werden.
Im Rahmen einer Multimomentstudie wurde beispielsweise festgestellt, dass Pflegekräfte nur 35 % ihrer Zeit direkt an Patienten aufwenden und die restliche Zeit mit administrativen Tätigkeiten verbringen.

Projektumsetzung

Mit der Einführung des Patientenmanagements soll eine Optimierung und Koordination aller zur Patientenversorgung notwendigen Prozesse erreicht werden. Das klinische Patientenmanagement im Städtischen Klinikum Karlsruhe gGmbH ist zweistufig aufgebaut. Es gibt das „Zentrale Patientenmanagement“ für eine ganze Abteilung und das „Dezentrale Patientenmanagement“ auf jeder Station dieser Abteilung.

Ziel des „Zentralen Patientenmanagements“ ist die Koordination und Optimierung der Aufnahmestrukturen und -prozesse. Zu den Aufgaben des „Zentralen Patientenmanagements“ gehören u. a.

  • die Planung und Steuerung aller internen und externen Patientenaufnahmen, -verlegungen und -entlassungen in einer Fachabteilung, in Abstimmung mit dem „Dezentralen Patientenmanagement“ der einzelnen Stationen dieser Abteilung und dem für die Patientenaufnahmeentscheidung zuständigen bzw. verantwortlichen Arzt,
  • die Klärung bzw. Abstimmung (ggf. Erhebung) der vorstationären Situation der Patienten, des geplanten diagnostischen und therapeutischen Vorgehens sowie der Aufnahmedringlichkeit,
  • eine quantitativ und qualitativ ausgewogene Belegungssteuerung der Stationen in der Fachabteilung durch die tägliche Abstimmung mit dem „Dezentralen Patientenmanagement“ dieser Stationen und der Zentralen Notaufnahme(-station).

Zu den organisationsbezogenen Aufgaben des „Dezentralen Patientenmanagements“ gehören u. a.

  • die Abstimmung der quantitativen und qualitativen Gesamtbelegung der Station. Die Planung, Steuerung und Anweisung von Patientenaufnahmen und -entlassungen,
  • die interne Klärung bzw. Abstimmung mit dem „Zentralen Patientenmanagement“ bezüglich der vorstationären Situation, des geplanten diagnostischen und therapeutischen Vorgehens der aufzunehmenden Patienten,
  • die Abstimmung, Steuerung und Planung des weiteren Behandlungsverlaufs und der daraus resultierenden Verweildauer für die Patienten,
  • die Koordination aller an der Prozesssteuerung beteiligten internen und externen Leistungserbringenden sowie das frühzeitige Einschalten des Patientenberatungsdienstes bei Patienten, die ein geplantes Entlassmanagement benötigen.

Auf jeder Station ist eine examinierte Pflegekraft in der Funktion des Patientenmanagers für alle Patienten zuständig. Eine Besonderheit ist, dass die Funktion des Patientenmanagers dieser Pflegekraft jeweils für einen längeren Zeitraum (mind. eine Woche) zugeteilt wird, um Informationsbrüche zu vermeiden, die Versorgungsqualität zu verbessern und Kontinuität für alle Beteiligten herzustellen.
Die Zuständigkeiten zwischen Patientenmanagern und den sonstigen Pflegekräften auf der Station sind klar und deutlich formuliert. Es liegen Funktionsbeschreibungen sowohl für das „Zentrale“ als auch das „Dezentrale Patientenmanagement“ vor.
Das „Dezentrale Patientenmanagement“ wurde flächendeckend in allen Stationen eingeführt.

Projektbeurteilung

Das in die Regelversorgung übernommene Modell des zweistufigen klinischen Patientenmanagements ist sehr erfolgreich. Die Arbeitsabläufe sind heute strukturierter, transparenter und effizienter als früher. Die Ärzte und sonstigen Pflegekräfte können sich wieder stärker der direkten Patientenversorgung widmen, da sie durch das Patientenmanagement von administrativen Aufgaben entlastet werden.